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Neuss: Stadt regelt Kanalprüfung

Neuss : Stadt regelt Kanalprüfung

Private Abwasserleitungen müssen auf ihre Dichtheit überprüft werden. So will es das Gesetz. Die Stadt hat Fristen dafür definiert und kündigt eine breite Informationskampagne an. Bis dahin müssen Bürger nichts unternehmen.

Paragraph 61 a des Landeswasssergesetzes hat ein neues Raubtier geboren: den Kanalhai. Auch in Neuss wurde dieses Spezies schon gesichtet, die unter dem Deckmantel eines seriös wirkenden Unternehmens auftritt und versucht, aus der Verunsicherung vor allem älterer Zeitgenossen über die nun gesetzlich vorgeschriebene Dichtheitsprüfung privater Abwasserleitungen Vorteil zu ziehen. Die Stadt warnt vor diesen Geschäftemachern und setzt auf Aufklärung.

Aktuell ist eine Broschüre zum Thema Dichtheitsprüfung in Arbeit und eine Internetsetite von Infrastruktur Neuss im Aufbau. Zudem kündigt Wilhelm Heiertz, technischer Leiter der für die Stadtentwässerung zuständigen Stadtwerke-Tochter Infrastruktur Neuss, einen Infobrief an, der demnächst an alle 30 000 Grundbesitzer in Neuss verschickt wird. Bevor die diesen nicht in Händen halten, sollen die Bürger nichts unternehmen, rät Heiertz. "Wir werden gezielt darüber informieren, was bis wann zu tun ist."

Was sagt das Gesetz? Grundstückseigentümer müssen alle Schmutzwasser führenden Leitungen auf ihre Dichtigkeit überprüfen lassen. So soll eine Verunreinigung von Boden und Grundwasser etwa durch Fäkalien verhindert werden.

Was bestimmt die Stadt? Die Stadt macht – anders als andere Kommunen im Kreis – von ihrem Wahlrecht Gebrauch und teilt sich die Überprüfung und eine etwaige Reparatur mit den Eigentümern. Für den Teil des Hausanschlusses auf öffentlichem Grund bleibt die Stadt zuständig. Dafür nennt Heiertz zwei Gründe: "Wir wollen nicht, dass Dritte in unserem Straßenraum arbeiten", sagt er. Zweitens geht es auch um Gerechtigkeit. Denn es macht einen Unterschied, ob der Hausanschluss in einer Anliegerstraße ausgetauscht wird, oder in einer Hauptverkehrsstraße.

Welche Fristen gelten? Grundstücksbesitzer in einem Wasserschutzgebiet, also im Einzugsgebiet der Wasserwerke Broichhof beziehungsweise Mühlenbusch, müssen den Nachweis einer Kanalüberprüfung bis Ende 2014 erbracht haben. Für alle anderen gilt 2023 als Richtwert – je nach Ortslage und immer orientiert an den Untersuchungen der städtischen Kanäle. Die sind beispielsweise 2021 in Reuschenberg geplant. Vorher müssen sich die Bürger dort auch nicht rühren. Im eigenen (Kosten)-Interesse.

Was kostet das? Die reine Sichtprüfung, zu der ein Roboter mit Kamera das Rohr inspiziert, kostet zwischen 300 und 500 Euro. Findet die Kamera kein Leck, gilt das Rohr als dicht. Allerdings muss die Untersuchung alle 20 Jahre wiederholt werden. Prinzipiell sollte die Prüfung ein Sachverständiger machen, die etwaige Reparatur nie das gleiche Unternehmen, rät Heiertz.

(NGZ)