1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Stadt räumt vor dem Deich auf

Neuss : Stadt räumt vor dem Deich auf

Das Wasser des Rhein hat sich zurückgezogen und im Rheinvorland tonnenweise Müll liegen lassen. Der wird nun in tagelanger Handarbeit eingesammelt. Parallel hat die Deichbegehung begonnen, aber keine Schäden offenbart.

Wasserstand gestern: 5,30 Meter am Neusser Pegel. Schneller als noch vor einigen Tagen selbst Experten dachten, hat sich Vater Rhein wieder in sein Bett zurückgezogen. Mit seinen Hinterlassenschaften im Rheinvorland allerdings wird das städtische Tiefbauamt noch Tage zu kämpfen haben. Gestern traten die Außendienstmitarbeiter dazu an der Uedesheimer Rheinfährstraße an.

Schlamm macht Gerhard Schröders Arbeit im Rheinvorland noch schwieriger. Von Hand muss er dort Schwemmgut beseitigen. Foto: L. Berns

"Wenn das Wasser weg ist, fängt für uns die Arbeit erst an", bilanziert nüchtern Gerd Eckers, der kommissarische Tiefbauamtsleiter. In den Tagen der Hochwasserwelle mussten die Deichverteidigung und die Abwehr einer akuten Gefährdung Vorrang für ihn haben, jetzt, da sich der Pegel wieder Normalmaß nähert, steht die Beseitigung des so genannten Schwemmgutes auf der Auftragsliste ganz oben. Und der Rhein war ein fleißiger Sammler.

Viele Wege am Rhein sind kaum passierbar. Hier setzen die Aufräumer an. Foto: NGZ

Mit der Flutwelle trieben Holz und Kunststoff, Bleche und fast jeder andere vorstellbare Müll rheinabwärts. Gut 90 Kubikmeter davon, so schätzt Eckers, ließ der Rhein auf Neusser Seite liegen, als sich seine Fluten zurückzogen. Allein die Entsorgung in einer Müllverbrennungsanlage wird die Stadt rund 9000 Euro kosten, schätzt er.

Dreck einsammeln ist in diesem Fall fast immer Handarbeit. Einmal, weil der Unrat aus Büschen und Bäumen geklaubt werden muss, zum anderen, weil schwereres Gerät noch nicht zum Einsatz gebracht werden kann. Der Boden ist noch zu nass, und auch die Wirtschaftswege im Grünland zwischen Deich und Rhein, die während der Hochwassertage gesperrt werden mussten, können noch nicht ohne weiteres befahren werden. Größere Lasten würden die Wege auf diesem feuchten Untergrund sonst ruinieren, fürchtet Eckers.

Gleichwohl setzen die Aufräumarbeiten auf den Wegen an. Damit werden die Kolonnen im Rheinvorland beweglicher – und auch andere Anlieger können die Wege wieder nutzen. Bei ihren Arbeiten gehen die städtischen Kolonnen systematisch von Süden nach Norden vor. Ganz zuletzt soll das Naturschutzgebiet Ölgangsinsel von Müll befreit werden. Dorthin kommt man trockenen Fußes noch nicht. Auch der Sporthafen wird in die Reinigung einbezogen, obwohl das sonst die Wassersportler vor ihrem Anfahren im Mai machen. Aber dort ist so viel liegen geblieben!

Mit der Reinigung geht auch die Deichbegehung einher. Größere Schäden traten dabei bislang nicht zutage, sagt Eckers. Auch die Maulwürfe, die in den Deichen wohnen, haben die Hochwassertage gut überstanden. Sie seien im Deich nicht ertrunken, sondern hätten sich nach oben gegraben. Um die Standsicherheit der Deiche müsse sich trotzdem niemand sorgen. Eckers: "Maulwürfe sind nicht gerne gesehen, aber auch keine Plage."

(NGZ)