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Neuss: Stadt plant höhere Hundesteuer

Neuss : Stadt plant höhere Hundesteuer

Heute diskutiert der Finanzausschuss der Stadt über die Erhöhung der Hundesteuer. Um 20 Prozent sollen die Beiträge für Hundebesitzer steigen. Das Neusser Tierheim fürchtet, dass viele Hunde aus Geldnot abgeben werden.

264 Euro Hundesteuer zahlt Dieter Schmidt jedes Jahr für seinen Rottweiler. "Schon diese Summe ist für mich richtig viel Geld", sagt der 71-jährige Rentner, der Vorsitzender des Neusser Hundesportvereins DVG ist. Geht es nach der Verwaltung, muss nicht nur er, sondern jeder Hundebesitzer der Stadt bald mehr für die geliebten Haustiere bezahlen: Um 20 Prozent soll die Hundesteuer erhöht werden. Über die Änderung wird heute im Finanzausschuss debattiert – der Beschluss gilt als sicher.

Rund 7000 Hunde sind in Neuss registriert. Ihre Besitzer zahlen unterschiedliche Steuersätze. Dieter Schmidt, dessen Steuersatz auf 316 Euro steigen soll, zahlt einen vergleichsweise hohen Beitrag, da sein Rottweiler zu den gefährlichen Hunderassen zählt – und deren Haltung ist teurer. Die allermeisten Hundebesitzer in Neuss zahlen derzeit 66 Euro pro Jahr an Steuern. Künftig sind es 78 Euro. Wer mehr als einen Hund besitzt, hat sehr viel höhere Kosten, denn die Beiträge gelten pro Tier: Bei zwei Tieren soll der Beitrag von je 78 auf 94 Euro, bei drei und mehr Hunden von je 90 auf 108 Euro steigen. Problematisch sind die Erhöhungen vor allem für finanzschwache Haushalte: "Ich gehe davon aus, dass Menschen mit wenig Geld ihre Hunde ins Tierheim geben werden", warnt Monika Provaznik, Leiterin des Tierheims Neuss-Bettikum. Dabei sei ihre Einrichtung schon heute überfüllt, weil Hundebesitzer ihre Tiere nicht behalten wollen.

Die Politiker der Stadt wollen die Erhöhung der Hundesteuer dennoch durchsetzen: "Wir müssen die Einnahmen steigern", sagt der Vorsitzende des Finanzausschusses, Klaus Karl Kaster (CDU). Das erfordere die schlechte Haushaltslage. Seit 1991 habe die Stadt die Hundesteuer nicht mehr erhöht. Nun soll die neue Regelung 80 000 Euro Mehreinnahmen bringen. Derzeit ist Neuss kreisweit die günstigste Stadt, was die Hundesteuer angeht. Zum Vergleich: In Grevenbroich zahlen Hundebesitzer, die ein Tier besitzen, 102 Euro Hundesteuer im Jahr.

Mitgetragen wird die Erhöhung vom liberalen Koalitionspartner: "Es ist uns schwergefallen, aber die Finanznot der Stadt erfordert diesen Schritt", sagt FDP-Fraktionschef Heinrich Köppen. Ähnlich sieht es die Opposition: "Es ist eine maßvolle Erhöhung", sagt Arno Jansen (SPD), stellvertretender Vorsitzender des Finanzausschusses. Jahrelang habe es keine Kostensteigerungen für Hundebesitzer gegeben. "Und auch nun wird nicht im Jahresrythmus erhöht", verspricht Jansen. Auch die Grünen befürworten die Erhöhung – "wenn es auch wünschenswert wäre, die Zusatzeinnahmen im Sinne der Hundebesitzer zu verwenden, um etwa Auslaufflächen zu schaffen", sagt Grünen-Fraktionsvize Ingeborg Arndt.

(NGZ)