Stadt Neuss will Schrottplatz an der Morgensternsheide auslagern

Gewerbegebiet Morgensternsheide-Süd in Neuss : Schrottplatz wird zum „Tauschobjekt“

In dem Versuch, Akzeptanz für neue Gewerbeflächen zu erreichen, setzt die Stadt nicht nur auf Überzeugungsarbeit.

Mit Speck fängt man Mäuse. Das gilt sogar dann, wenn es um neue Gewerbegebiete geht. Um Zustimmung für ihr Anliegen zu erreichen, im Flächennutzungsplan unter dem Namen „Morgensternsheide Süd“ 20 Hektar neu auszuweisen, ist die Stadt offenbar auf diese Strategie verfallen. Ihr „Lockmittel“ für die Anwohner von Morgensternsheide und „Am Berg“ aber auch für die Stadt Kaarst: Der Schrottplatz am Holzbüttger Weg verschwindet. Aber dafür braucht man Zeit.

Nachdem sich im Planungsausschuss schon gezeigt hatte, dass namentlich die Grünen gegen  Gewerbe westlich der A57 zu Felde ziehe wollen, und sich fast zeitgleich auch in Holzheim Widerstand gegen eine Vergrößerung des Gewerbegebietes Kreitzweg formiert, hat die Verwaltung das Thema im Rat von der Tagesordnung genommen. Neuer Ansatz: Überzeugungsarbeit. „Ich möchte dafür werben, dass wir die Potenziale, die wir haben, im Flächennutzungsplan auch zeigen“, sagt Bürgermeister Reiner Breuer.

Der Standort des Schrottplatzes wird Teil von „Morgensternsheide-Süd“. Foto: Stadt Neuss

In Holzheim wird er das am 28. Januar in einer Bürgerversammlung tun und am Donnerstag, 24. Januar, die planungs- und wirtschaftspolitischen Sprecher aller Fraktionen im Anschluss an die Sitzung des Hauptausschusses „bearbeiten“. Mit der Bürgerinitiative Elvekum, die sich gegen eine Erweiterung des Gewerbegebietes „Krupp- und Mainstraße“ stemmt, ist er schon im Dialog und hat das jetzt auf die Morgensternsheide ausgedehnt.  Die Bürger seien nicht immer hellauf begeistert, sagt Breuer, aber offen.

Im Entwurf für den Flächennutzungsplan stehen bereits 85 Hektar für neue Gewerbeansiedlungen. Das wird die Nachfrage bis 2030, die ein Gutachter mit 106 Hektar veranschlagt, kaum befriedigen. Vor allem, weil 25 Hektar in Allerheiligen („Kuckhof-Ost“), mit denen die Stadt fest gerechnet hat, von der Bezirksregierung nicht genehmigt werden. Das Problem lösen soll die Erweiterung des Gewerbegebietes Holzheim, das derzeit erschlossen wird, um weitere 32 Hektar – und die Fläche „Morgensternsheide-Süd“.

Für die Grünen wäre das „der Sündenfall“, weil damit in die freie Landschaft im Westfeld übergegriffen würde. Der Ansicht schließt sich jetzt auch das Forum Stadtentwicklung der Neuss-Agenda an. „Politik, Verwaltung und die Bevölkerung waren sich bisher immer einig, dass der freie Landschaftsraum vor weiterer Zersiedelung geschützt wird“, sagt Foren-Sprecher Roland  Kehl.

Aber die Bürger wünschen sich auch – ebenso wie die Stadt Kaarst –, dass der Schrottplatz verschwindet. Dazu macht die Stadt Neuss nun ein „Angebot“: Eine Darstellung im Flächennutzungsplan, die ja nicht gleichbedeutend wäre mit sofortiger Entwicklung der Flächen, würde den Quadratmeterpreis auf über 150 Euro treiben. Das wäre für die Besitzer vielleicht ein Argument, die 20.000 Quadratmeter – von denen nur für einen Teil ein Bebauungsplan existiert – zu verkaufen. Das Geld für die Sanierung der Fläche, auf der derzeit Altautos verwertet und von einem zweiten Unternehmen alte Autos und Haushaltsgeräte gesammelt und für den afrikanischen Markt aufbereitet werden, müsste dann durch die Entwicklung von „Morgensternsheide-Süd“ mitverdient werden.

Umsiedeln würde er, sagt Joachim Kreischer, der auf 1200 Quadratmetern am Holzbüttger Weg Container verleiht, „wenn mir die Stadt eine Alternative in der Nähe vermittelt und den Umzug bezahlt.“

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