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Stadt Neuss weitet Glyphosatverbot auf die mehr als 1500 Kleingärten aus

Maßnahmenpaket in Neuss : Insektenschutz im Kleingarten

Die Stadt weitet das Verbot des auch als „Insekten-Killer“ bezeichneten Pflanzenschutzmittels Glyphosat auf die Kleingartenvereine aus. Der Einsatz anderer chemischer Mittel sei nur noch in absoluten Ausnahmefällen zugelassen.

 Die Vorschrift ist ein Baustein in einem Maßnahmenpaket gegen das Insektensterben. Am Sonntag, 14. April, wenn der Stadtverband der Kleingärtner als Dachorganisation von 28 Vereinen mit aktuell 1569 Gärten zur Mitgliederversammlung einlädt, kommt auch dieses Thema zur Sprache. Treffpunkt ist um 10 Uhr das Vereinsheim des KGV „Römerlager“ am Gnadentaler Weg.

Das Glyphosatverbot war zunächst für die Pächter landwirtschaftlicher Flächen festgeschrieben worden. Bei jeder Änderung oder Verlängerung eines der derzeit etwa 800 Pachtverträge wird das Verbot nun hineinredigiert. Zudem verlangt die Stadt von ihren Pächtern landwirtschaftlicher Flächen die Schaffung von Blühstreifen in der Feldflur. Das soll die Insektenvielfalt fördern.

Um festzustellen, wie sich die Populationen der einzelnen Insektenarten entwickeln, kartiert das Umweltamt schon seit Jahren vor allem sensible Flächen wie Biotope, Ausgleichs- oder Naturschutzgebiete. In diesem und im kommenden Jahr untersucht sie in einem aufwändigen Verfahren die Artenvielfalt rund um die Kyburg in Weckhoven, im Naturschutzgebiet Ölgangsinsel und im Rheinpark.

Auch ohne Glyphosatverbot hat das Thema Insektensterben die Kleingärtner längst erreicht. Sie sehen sich aber eher als Vorkämpfer für den Insektenschutz. „Wir tragen maßgeblich zur Förderung des Insektenbestandes bei“, hält Friedhelm Doll als Vorsitzender des Stadtverbandes fest. Die Artenvielfalt, die in den Schrebergärten zu beobachten ist, finde man außerhalb dieser Kolonien nur selten, sagt er. Außerdem seien die Gärten ein als beispielhaft anzusehendes Biotop-Verbundsystem. Der Stadtverband ermuntere die Vereine, in diesem Sinne weiter zu wirken. Fördermaßnahmen des Landes dazu sollten ausgeschöpft werden.

Dass in Einzelfällen auch Kleingärtner noch zum glyphosathaltigen Unkrautbekämpfungsmittel greifen, kann Sabine Forchhammer nicht ausschließen. Als Fachberaterin des Stadtverbandes wirbt sie allerdings schon seit Jahren an Schulungsabenden dafür, die Finger von diesem – noch frei verkäuflichen Mittel – zu lassen. Für sie sei Glyphosat längst „ein Gruselthema“.