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Stadt Neuss und Creditreform starten das "Kommunale Datenlabor 2040"

Kooperation in Neuss : Das steckt hinter dem „kommunalen Datenlabor“

Die Stadt Neuss hat mit dem Unternehmen Creditreform ein neuartiges Projekt begonnen: das kommunale Datenlabor 2040. Welche Ziele damit verfolgt werden sollen, erklärt Siebo Woydt von Creditreform.

Ein erstes gemeinsames Projekt der Stadt mit der Wirtschaftsauskunftei Creditreform war ein Erfolg: Mit der Auswertung von Daten sollten sogenannte „digitale Lotsen“ ausfindig gemacht werden. Diese sollen Senioren künftig bei der Teilhabe an der Digitalisierung unterstützen. Das sind ganz einfache Dinge: Erklären, wie ein Smartphone funktioniert oder wie der PC richtig genutzt wird. Zum Vorhaben „Digital Mobil im Alter“ beschloss die Verwaltung eine Bestandsanalyse der bereits bestehenden Angebote im Kontext digitaler Kommunikation und Medien sowie die Konzeption für ein analytisches Vorgehen.

Das Projekt war eine Art Lagetest. Die Unternehmensgruppe und die Stadtverwaltung prüften, ob und wie die Zusammenarbeit funktioniert. Offensichtlich gut, denn jetzt gehen sie eine Kooperation ein und gründen das „Kommunale Datenlabor Neuss 2040“. Dabei werden auch die Datensätze zu „Digital Mobil im Alter“ aufgegriffen und ausgewertet. Doch das Datenlabor soll deutlich mehr leisten. „Ziel ist es, auf kommunaler Ebene exemplarisch fachübergreifende Daten-Werkzeuge für Verantwortliche in Politik und Verwaltung zu entwickeln“, sagt Bürgermeister Reiner Breuer. Was das bedeutet, erklärt Siebo Woydt, Vorstandsmitglied bei Creditreform, im Gespräch mit unserer Redaktion.

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Zunächst betont Woydt jedoch, dass im Rahmen des Datenlabors keine neuen Daten erhoben werden. Vielmehr ginge es darum, die Daten der Stadt – die teilweise über verschiedene Ämter verteilt sind, so Woydt – mit den Datensätzen von Creditreform zu kombinieren. Mit deren Auswertung können für Regionen und Einzelfälle politische wie wirtschaftliche Entscheidungen getroffen werden.

„Das klingt immer noch sehr nebulös“, sagt Woydt lachend. Dann nennt er praktische Beispiele: Daten und ihre Entwicklung über die Zeit könnten der Stadt eine Frühindikation geben – für viele Bereiche. So seien Prognosen für eine Stadtteilentwicklung möglich, die anzeigen, wo die Planungsmaßnahmen verstärkt oder zurückgefahren werden können. Auch könne die Entwicklung von Unternehmen betrachtet werden und was das für den Arbeitsmarkt bedeutet. So könne eine Prognose abgegeben werden, ob künftig mehr oder weniger Arbeitsstellen in gewissen Branchen zu verzeichnen sind. „Wir wollen dabei helfen, die Ressourcen sinnvoll und gezielt einzusetzen“, erklärt Woydt.

Das sei in der Kooperation möglich, so das Vorstandsmitglied, da Creditreform „ganz andere Daten und eine bessere Datentiefe“ als die Stadt habe. Die Firma habe „langjährige Erfahrung in der Anwendung komplexer wirtschaftsbezogener und gesellschaftsrelevanter Daten“ und bringe „die ergänzenden Daten und das ergänzende Methodenwissen“ an den Tisch.

Die Kooperation ist in ihrer Form einzigartig. Deshalb werde jetzt zunächst eine „Projektpipeline“ aufgestellt, sagt Woydt. Corona sei ein naheliegendes Thema: Wie wirkt sich das Virus auf die Haushalte, die Industrie und die Stadtkassen aus? Das Vorstandsmitglied hofft, dass das Projekt „Schule macht“ und die dabei gesammelten Erkenntnisse überregional Anwendung finden. Das Datenlabor ist zunächst für fünf Jahre angesetzt, soll aber deutlich länger bestehen, sagt Woydt. Je länger der Zeitraum, desto besser würden auch die getroffenen Prognosen.