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Stadt Neuss sieht keine Notwendigkeit, Zirkus mit Wildtieren abzuweisen

Stadt Neuss prüft Bewerbung : Circus Krone kommt - mit wilden Tieren

Nur zweimal in den vergangenen 15 Jahren gaben große Zirkus-Unternehmen, die auch Wildtiere zeigen, ein Gastspiel in Neuss. Ein Versuch im Stadtrat, solche Zirkusse auszuschließen, wurde abgeblockt. Circus Krone kann kommen.

Der Zirkus kommt in die Stadt! Mitunter mehrmals im Jahr werden solche Gastspiele plakatiert, doch Anfragen von großen Zirkusunternehmen registriert die Stadtverwaltung nur alle Jubeljahre mal. Genauer gesagt: In den vergangenen 15 Jahren waren es zwei, die in ihrem Programm auch Wildtiere zeigen. Jetzt kündigt sich – nach einem Besuch vor fünf Jahren – wieder der „Circus Krone“ an, der sein Kuppelzelt vom 19. bis 24. Juni auf dem Kirmesplatz an der Hammer Landstraße aufschlagen wird. Doch herzlich Willkommen ist Europas größter Zirkus nicht jedermann.

Die Fraktion Alternative für Deutschland (AfD) möchte Zirkusunternehmen und Wanderausstellungen, die mit Wildtieren unterwegs sind, am liebsten an den Stadtgrenzen zurückweisen. Mit einer Anfrage zur gängigen Praxis verband die Stadtverordnete Karin Weinert die Anregung, in der Gemeindeordnung ein Wildtierverbot zu verankern und solchen Betrieben keine städtischen Flächen mehr zu vermieten. Aus Gründen des Tierschutzes. Dazu sieht die Stadt keine Veranlassung, hat allerdings, wie der erste Beigeordnete Frank Gensler ausführt, auch keine Handhabe.

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Nach gegenwärtiger Rechtslage „gibt es keine Ermächtigung zur Einschränkung der Wildtierhaltung in Zirkussen“, schreibt Gensler. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass solche Betriebe das Recht auf ein Gastspiel einklagen können. Und die Gerichte, so hat die Stadt recherchiert, urteilen mit Hinweis auf die im Grundgesetz verankerte Berufsfreiheit stets gegen kommunale Verbote. Man sei sich gleichwohl der Tierschutz-Problematik bewusst und habe auch im Fall Krone gleich nach Eingang der Bewerbung beim HIT-Zirkuszentralregister Erkundigungen eingeholt. Und auch das ebenfalls konsultierte Veterinäramt des Rhein-Kreises bestätigt, dass Krone an allen Spielorten überprüft worden sei – ohne nennenswerte Beanstandungen

Das Interesse insbesondere der Familien an Zirkusdarbietungen mit Wildtieren ist ungebrochen, ist Gensler überzeugt. Und Harald Ortlepp vom „Circus Krone“ ergänzt aus Unternehmenssicht: „Wenn Krone kommt, erwarten die Menschen bestimmte Dinge.“ Dazu zählt der Krone-Tourneeplaner neben den Pferdedressuren („unser Markenzeichen“) auch und gerade die „großen Tierdarbietungen“. Wie die Raubtiervorführung von Martin Lacey jr., der dafür beim Circus Festival Monte Carlo gerade den „Goldenen Clown mit Auszeichnung“ erhalten hat, oder den Auftritt der Elefantenherde.

Die steht noch auf der Besetzungsliste für Neuss, doch das könnte sich ändern, weil die fünf Elefantendamen ein paar Jährchen auf dem grauen Buckel haben. „Die Älteste ist 58“, sagt Ortlepp. Wenn ihr das Reisen erkennbar zu schwer fällt, dürften sie und ihre Artgenossinnen natürlich am Stammsitz in München bleiben. Aber noch gehören sie zur Truppe und das seit Jahrzehnten. „Wir quälen unsere Tiere halt so, dass sie ein hohes Alter erreichen“, sagt Ortlepp voller Ironie. Denn er kennt die Vorbehalte in der Tierschutzszene.

„Meist sind es die Grünen oder die SPD, die ein kommunales Wildtierverbot fordern“, berichtet Frank Keller, der Tierschutzverantwortliche im Zirkus. Zwei Mal habe man schon gegen solche Verbote klagen müssen – und gewonnen. Den Tierschützern begegnet Krone aktiv, verschanzt sich nicht nur hinter der Aussage, gesetzliche Vorgaben einzuhalten. Auf der Internetseite des Unternehmens ist dem Tierschutz eine eigene Rubrik gewidmet und dort auch eine bebilderte Broschüre hinterlegt. Und dann ist Krone ja auch Partner bei Artenschutzprojekten. So sei man in das Zuchtprogramm „weiße Löwen“ eingebunden – und habe das verwaiste Nashornbaby „Hope“ adoptiert.

Gleichwohl wird Krone von Organisationen wie PETA öffentlich vorgeworfen, gegen Tierschutzbestimmungen zu verstoßen. Ja, Krone stehe „an der Spitze einer tierquälerischen Form der Unterhaltung“ – was im Internet mit Videoschnipseln belegt wird, die vermeintliche Verhaltensstörungen bei Tieren dokumentieren sollen.

Trotz jüngster Vorbehalte kommt Krone gerne wieder nach Neuss. Das Gastspiel 2014 sei sehr gut gewesen, sagt Ortlepp, der den Tourneeplan nicht an der Größe der bereisten Städte festmacht. „Wir reisen ja auch nach Wunsiedel.“