Stadt Neuss hängt Werbebanner ab - Sportvereine fühlen sich brüskiert

Öffentlicher Raum : Stadt hängt Werbebanner in Neuss ab - Sportvereine fühlen sich brüskiert

Weil die Stadt die Werbung im öffentlichen Raum exklusiv verpachtet hat, gibt’s jetzt Ärger. Sportvereine fühlen sich benachteiligt. Ihre Ankündigungen wurden entfernt, Kultur-Banner nicht. Das Rathaus: Es war ein Missverständnis!

Die Chefs des Neusser Sports verstehen die Welt nicht mehr. Oder besser: Sie verstehen die Rathaus-Spitze nicht mehr. „Wir holen mit Großveranstaltungen wie dem Sommernachtslauf oder der Tour de Neuss Leben und Zuschauer in die City“, schimpft TG-Vorsitzender Mario Meyen „und erhalten dafür einen Tritt in den Hintern.“ Was den gemeinhin nüchternen Juristen Meyen so sehr in Rage versetzt: Mitarbeiter der Verwaltung – oder einer städtischen Tochtergesellschaft – hatten im Vorfeld des Sommernachtslaufes Werbebanner abgehangen und die Turngemeinde (TG) als Ausrichter nicht informiert.

Das Procedere wiederholte sich jetzt zur Tour de Neuss. Wieder verschwanden Hinweis-Banner, die unter anderem am Benno-Nußbaum- und am Ebert-Platz für das Radrennen am kommenden Mittwoch (31.) warben. Als Stephan Hilgers, Vorsitzender des Ausrichters, Anzeige wegen Diebstahls erstatten wollte, erfuhr er von der Polizei, dass da die Stadt womöglich von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht habe und die Banner eingelagert hätte. „Wenn ich einen Fehler gemacht habe, soll man es mir mitteilen“, sagt Hilgers, „aber uns im Dunkeln tappen zu lassen, ist einfach nur schäbig.“

Angesichts einer Sportszene in Wallung versucht das Rathaus in Person der Beigeordneten Christiane Zangs, die Wogen zu glätten. Alles sei ein bedauerliches Missverständnis, es fehle an Kommunikation und es gäbe einen fairen Lösungsansatz, mit dem auch die Sportvereine gut leben könnten. Es werde kurzfristig Informationen und Gespräche mit allen Betroffenen geben, allerdings erschwere die Urlaubszeit die Terminierung.

Informationen und Gespräche der Verwaltung und der von ihr einbezogenen „Tochter“ Neuss Marketing werden erforderlich sein. Das Thema hat die Politik erreicht. Ein Antrag der schwarz-grünen Koalition wurde vom Sportausschuss in den Beteilligungsausschuss verwiesen – da Neuss Marketing angesprochen ist.

Und darum geht es: Die Stadt hat noch zu Zeiten von Bürgermeister Herbert Napp die Vermarktungsrechte für Werbung im öffentlichen Raum exklusiv an das auf Außenwerbung spezialisierte Kölner Unternehmen Ströer verpachtet. Mit den Einnahmen werden die Aktivitäten von Neuss Markting finanziert, auf die bereits 2008 der Vertrag übertragen wurde. Geschäftsführer war damals Peter Rebig. Wenn nun Sportvereine, Sozialverbände, aber auch die Stadt selbst als Gastgeber von Kultur-Veranstaltungen mit Bannern wirbt, tangiert das gewaltig die Interessen von Ströer. Ralph Dymek von Neuss Marketing spricht von einem Banner-Wildwuchs, der reduziert werden musste.

Die Sportszene fühlt sich benachteiligt. Es seien nur Banner der Sportvereine entfernt worden: „Die Kultur blieb unberührt.“ So fordert Stadtsportverbands-Vorsitzender Meinolf Sprink eine „faire Behandlung des Sports“ und sein Kollege vom Kreissportbund, Hermann-Josef Baaken, wundert sich, „dass das immer noch nicht geklärt ist“.

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