Neuss: Stadt investiert in neues Heim für Asylbewerber

Neuss : Stadt investiert in neues Heim für Asylbewerber

Immer mehr Asylbewerber strömen nach Deutschland - und damit auch nach Neuss. Der Platz in den Unterkünften reicht schon länger nicht mehr aus. Für 2,6 Millionen Euro soll ein neues Übergangsheim in Meertal entstehen.

Zuletzt mietete die Stadt sogar ein vor dem Abriss stehendes Hochhaus in Weckhoven an, um dort ausländische Familien unterzubringen. Jetzt will die Verwaltung Abhilfe schaffen: Am Berghäuschensweg in Meertal, an der Grenze zu Gnadental, soll eine neue Unterkunft gebaut werden.

"Wir möchten dort 100 zusätzliche Plätze schaffen", kündigt Hans-Peter Oebel, der Leiter des Sozialamtes, an. Die Verantwortung für den Neubau trägt das städtische Gebäudemanagement, das eine zügige Umsetzung zusichert: "Die Planung ist abgeschlossen, im September kann die Montage beginnen", sagt Andrea Schiefke, die technische Betriebsleiterin. Denn gebaut wird mit vorgefertigten Modulen, die am Berghäuschensweg nur noch montiert werden müssen. Dort hat die Stadt neben einer bestehenden Unterkunft, wo derzeit 40 Menschen wohnen, noch ein Grundstück frei.

"Dort gab es in den 1990er Jahren, zur Hochzeit der Flüchtlingswellen, bereits einmal Baracken", erzählt Amtsleiter Oebel. "Damals hatten wir zeitweise bis zu 20 Unterkünfte, mussten sogar Zelte für die Flüchtlinge aufbauen", erinnert sich Oebel. Diese Zeiten sind vorbei: Die meisten Unterkünfte wurden abgerissen, auch die in Meertal.

Derzeit gibt es in Neuss nur noch drei so genannte Übergangsheime, neben dem am Berghäuschensweg liegen diese an der Bergheimer Straße und am Derendorfweg. 267 Plätze für Asylbewerber hält die Stadt dort vor. Weitere 100 kommen mit dem Neubau hinzu, in den die Stadt 2,6 Millionen Euro investiert. "Schon im November können die ersten Bewohner einziehen", kündigt Schiefke an, die betont, dass es sich trotz der modularen Bauweise nicht um ein Containerhaus handelt, das da am Berghäuschensweg entsteht.

Vielmehr handele es sich um einen zweigeschossigen Stahlbau, in dem Familien und Einzelpersonen in abgeschlossenen Appartements leben können. "Wenn der Flüchtlingsstrom versiegt, kann man diesen Bau auch weiter nutzen, um etwa wohnungslose Menschen kurzfristig unterzubringen", sagt Oebel, der sich auch eine "gemischte" Nutzung vorstellen kann.

Noch ist das allerdings nicht in Sicht. Denn die Zahl der Flüchtlinge steigt: Im vergangenen Jahr hatten laut Bundesamt für Migration rund 127 000 Menschen in Deutschland Asyl beantragt. Für dieses Jahr rechnen die Experten mit bis zu 175 000 Anträgen.

Verteilt werden die Asylbewerber nach einem bestimmten Schlüssel. Jede Stadt ist verpflichtet, Flüchtlinge aufzunehmen. Die Anzahl richtet sich nach der Größe der Stadt. In Neuss herrscht derzeit noch eine Sondersituation: Die 200 Plätze der zentralen Unterbringungseinrichtung des Landes, die im ehemaligen St.-Alexius-Krankenhaus sitzt, werden auf die Zuweisungen angerechnet - allerdings läuft der Mietvertrag nur noch bis Januar 2015. "Wir hoffen auf eine Verlängerung", sagt Sozialamtsleiter Oebel. Denn wenn das Land dort zurückzieht, würden die Plätze im geplanten Neubau nicht ausreichen. "Dann müssen wir wieder neu planen", sagt Oebel.

(NGZ)
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