Neuss: Hafen ist Teil des Alltags

Neuss: Hafen ist Teil des Alltags

Von früh bis spät – zu Hause und am Arbeitsplatz – kommen die Neusser mit vielen Dingen in Berührung, die im Hafen produziert oder transportiert werden.

Von früh bis spät — zu Hause und am Arbeitsplatz — kommen die Neusser mit vielen Dingen in Berührung, die im Hafen produziert oder transportiert werden.

Es ist Montagmorgen, sieben Uhr. Auch in Zeiten von Internet und iPhone gehört die Zeitung bei vielen genauso zum Morgenritual wie das Zähneputzen. Was die meisten wahrscheinlich nicht wissen: Das Papier, auf dem die Morgenlektüre tagtäglich gedruckt wird, macht seinen Weg in die Druckereien über die Neuss Düsseldorfer Häfen. Mehr noch haben die Haferflocken, die der Sohnemann isst, mit dem großen Produktions- und Umschlagplatz am Wasser zu tun: Sie werden nämlich dort hergestellt, von dem Familienunternehmen Fortin.

Deren Mühlenwerke produzieren Hafer- und andere Flocken, die in den Supermärkten hierzulande und in mehr als 30 Exportländern zu finden sind. Mittlerweile schlägt die Uhr fast zwölfmal. Im Obstladen gibt es heute Mangos aus Südamerika — toll für einen vitaminreichen Nachtisch. Die Mangos kommen wie viele andere tropische Früchte in riesigen Container-Schiffen hier im Hafen an, werden dort entladen und zu den Einzelhändlern in der Region weitertransportiert.

Seit der Fusion der bis dahin eigenständigen Häfen Neuss und Düsseldorf im Jahr 2003 sind die früheren Wettbewerber der drittgrößte Binnenhafen Deutschlands, wo Ware nicht nur produziert, sondern auch über Wasser, Schiene und Straße weitertransportiert wird.

Mittagstisch mit Hafenflair

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Weil es schnell gehen muss, gibt es zu Mittag einen Klassiker: Pommes rot-weiß und Salat. Die Mayonnaise dazu wurde im Thomy Werk Neuss hergestellt. In der Industriestraße befinden sich die Produktionsstätten des Weltkonzerns. Thomy produziert auch Speiseöle, genau wie viele andere Hafenfirmen.

Mit den Öl- und Mehlmühlen begann im 19. Jahrhundert das wirtschaftliche Wachstum am Hafen. Die Ölmühle Sels beispielsweise gibt es seit 1890. Heutzutage stellen die Ölmühlen nicht mehr nur Speiseöl,sondern auch Biodiesel her. Auch der Familienhund bekommt ein Mittagsmahl "frisch" vom Hafen: Die Deutsche Tiernahrung Cremer GmbH und die Firma Muskator kreieren auf der Düsseldorfer Seite Nahrhaftes für vielerlei Zwei- und Vierbeiner. Am Nachmittag Besuch beim Onkel. Der arbeitet als Concierge in einem Hotel in der Innenstadt - und wurde von "Schröders modische Berufskleidung" ausgestattet.

Die Firma im Hafen beliefert Unternehmen aller Art mit Corporate Fashion. "Hatschi!" Die Tochter hat Schnupfen. Automatisch greift man in die Handtasche zur praktischen Plastikpackung mit den Tempos . Die Firma, die in Neuss produziert, ist bei Klein und Groß zum Synonym für Papiertaschentücher geworden. Unter der Marke Tempo stellt der schwedische SCA-Konzern im Neusser Hafen den Hauptanteil der in Deutschland verkauften Papiertaschentücher her. Auf insgesamt 16 Produktionsanlagen verarbeiten rund 270 Mitarbeiter täglich Zellulose zu mehr als sieben Millionen Päckchen Taschentüchern. Vor dem Abendessen will sich der Papa schnell noch um die neue Trennwand im Dachgeschoss kümmern. Eine Gipsputzwand soll gezogen werden, um das große Zimmer der beiden Mädchen zu teilen.

Gipsputzwände sind eine Spezialität der Neusser Firma Knauf. Die großen Mengen an Baustoffen wie Gips, Kies, Sand oder Zement und andere Massengüter, etwa Kohle oder Erz, die hier umgeschlagen werden, machen den Neusser Hafen zu einem speziellen Standort. "Wir haben unsere Güterstruktur mit Absicht sehr breit gestreut, damit wir auch in der Krise einer Branche keine größeren Einbußen machen", erklärt Jan Sönke Eckel, Leiter der Hafenbetriebe.

In der Tat laufen noch viel mehr Produkte, mit denen die Neusser und alle anderen direkt oder indirekt — wie beispielsweise Aluminium und Stahl — in Berührung kommen, über die hiesigen Hafenbecken. Sie werden entweder dort hergestellt, verschifft oder auf die Schiene und auf Lastwagen umgeladen.

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