Neuss: Stadt gibt Bildungswerk für einen Euro ab

Neuss : Stadt gibt Bildungswerk für einen Euro ab

Das "Gemeinschaftswerk zur Förderung der gewerblichen Berufsausbildung ist wirtschaftlich nicht mehr lebensfähig.

Für den symbolischen Betrag von einem Euro verkauft die Stadt Neuss das "Gemeinschaftswerk zur Förderung der gewerblichen Bildung" (BBW) an die Kreishandwerkerschaft Niederrhein. Notartermin ist in der kommenden Woche, vom 1. Januar an soll die Kreishandwerkerschaft am Hammfelddamm Regie führen. Die zeigt damit in der Kreisstadt Präsenz, betont Hauptgeschäftsführer Paul Neukirchen. "Wir wollen die überbetriebliche Unterweisung am Standort sichern", sagt er. Das heißt, dass mit den Aufgaben auch das Personal des BBW übernommen wird.

Die Stadt als derzeit einziger Gesellschafter zieht mit dem Verkauf gewissermaßen die Notbremse, nachdem die Gewinnrücklage, die 2009 noch mit 311 000 Euro bilanziert wurde, nach vier verlustreichen Jahren in Folge auf knapp über 60 000 Euro in diesem Jahr abzuschmelzen droht. In der gegenwärtigen Situation sei die Einrichtung wirtschaftlich nicht überlebensfähig, heißt es in einer Analyse der Stadtverwaltung. Und genau das will die Kreishandwerkerschaft ändern. "Die Einrichtung könnte auskömmlich arbeiten, wenn sie so organisiert würde, wie wir uns das vorstellen", sagt Neukirchen.

Eine Fusion ist dabei nicht das Ziel, das BBW soll neben dem "Bildungszentrum Niederrhein" der Kreishandwerkerschaft geführt werden. Aber es wird zunächst organisatorisch verklammert, indem das dezentral organisierte Bildungszentrum Niederrhein auch beim BBW die Geschäfte führt.

Das BBW wurde in den 1970er Jahren gegründet, als es in Neuss noch eine eigene Kreishandwerkerschaft und eine eigene Industrie- und Handelskammer gab. Untergebracht wurde es in der damals städtischen Berufsschule Hammfelddamm. Seitdem hat sich viel verändert, und schon mit Übertragung der Berufsschulen im Jahr 1990 galt, dass die Aufgaben, die das BBW heute als Mieter im Berufsbildungszentrum des Kreises erbringt, nicht mehr zu den städtischen Kernaufgaben gehören.

Aktuell bietet das BBW noch immer für die Innungen Metallbau, Kfz-Handwerk, Maler, Elektro sowie Sanitär, Heizung, Klima eine überbetriebliche Unterweisung an. "Das wollen wir sichern", sagt Neukirchen. "Das ist der Antrieb, warum wir das machen." Die Lehrgänge für diese überbetriebliche Ausbildung werden jährlich verlängert, sind aber nur ein Teil des Spektrums. Darüber hinaus bot das BBW Förderprogramme an, um Schüler an den Arbeitsmarkt heranzuführen, sowie so genannte Benachteiligungsprogramme. Seit diese öffentlich ausgeschrieben werden, kann das BBW solche Aufträge kaum noch akquirieren. Im vergangenen wie auch in diesem Jahr wurden solche Gewerke der Berufsausbildung gar nicht mehr ausgeschrieben, so dass beim BBW davon ausgegangen wird, dass diese Angebote 2015 auslaufen. Das Landesprogramm "Werkstattjahr" endet schon im kommenden Jahr. Bei der Kreishandwerkerschaft, so die Überlegung der Stadt, gebe es Personal und Erfahrung, um neue Vorhaben zu realisieren.

(NGZ)
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