Neuss: Stadt berät heute Masterplan

Neuss : Stadt berät heute Masterplan

Das Konzept "Neuss an den Rhein" ist fertig. Der Essener Planer Dieter Blase hat es erarbeitet. Heute berät der Rat, wie's weitergeht. Fraktionen bereiten jetzt einen Arbeitsauftrag an die Verwaltung vor.

Über Geld mag Dieter Blase (65) nicht sprechen. Zumindest nicht in diesem konkreten Neusser (Masterplan-)Fall. Nur so viel lässt er sich entlocken: Das deutsche Wort Honorar leite sich vom lateinischen honorare ab, das so viel wie ehren oder auszeichnen bedeute. Im Klartext heißt das: Betriebswirtschaftlich standen für ihn Aufwand und Ertrag bei seinem Neusser Auftrag in keinem gesunden Verhältnis. Doch das thematisiert er nicht gern.

Viel lieber spricht Dieter Blase darüber, dass er stolz auf seinen Masterplan "Neuss an den Rhein" ist. Zwar ist das Honorar mit 50 000 Euro fix, doch das Ergebnis brachte ihm immerhin einen interfraktionellen Antrag ein.

Auch eine Form der Anerkennung. CDU, FDP, SPD und Bündnis 90/Die Grünen werden das Konzept heute im Stadtrat unisono "als wichtigen Baustein für die zukünftige städtebauliche Entwicklung" begrüßen. Gleichzeitig wollen sie einen Arbeitsauftrag an die Verwaltung erteilen, "konkrete Vorschläge für die weitere Umsetzung des Masterplans einschließlich Zeitplan und Auswahl möglicher Instrumentarien vorzulegen". Der Antrag, mit dem letztlich die Verwaltung zum Jagen getragen werden soll, macht die Sollbruchstelle deutlich. Die Politik will den Masterplan, das Rathaus mit dem Bürgermeister an der Spitze hält ihn für überflüssig.

Dabei hat Dieter Blase längst seinen Frieden mit der Verwaltung gemacht. Er habe irgendwann für sich akzeptiert, dass die Verwaltung das Projekt nur mit "positiver Neutralität" begleite. Das sei für ihn eine neue Erfahrung gewesen, die ihn aber nicht im Zorn zurückblicken lasse: "Letztlich haben wir durch die distanzierte Haltung des Rathauses ein Stück Freiheit gewonnen." Den Rat lobt Blase derweil für den "stabilen Einsatz, ohne den wir es nicht geschafft hätten." Karl Heinz Baum (CDU), der als Planungsexperte die treibende Kraft hinter dem Masterplan-Projekt ist, formuliert das so: "Vielleicht hat der Bürgermeister mit seiner ablehnenden Haltung erst den zielführenden Schulterschluss der Ratsfraktionen ermöglicht."

Zwei Jahrzehnte nach dem Stadtentwicklungskonzept "Neuss zwischen den Häfen" hat die Stadt wieder ein Instrument in der Hand, an dem sich die Stadt bei ihrer Entwicklung orientieren kann. Dabei handelt es sich nicht um einen fertigen Plan, sondern es liegen jetzt Vorschläge und Leitplanken für einen Prozess vor. Ziel ist dabei, wie es Blase formuliert, "neue Bereiche für die Stadt zu gewinnen".

Er denkt an das Bürozentrum Hammfeld, das auf eine Revitalisierung wartet. An Wendersplatz und Rheinparkcenter. Bei dieser Öffnung nach Osten komme der Trasse Batteriestraße/Europadamm eine Schlüsselbedeutung zu. Sie dürfe nicht trennende Grenze sein, müsse als Boulevard zum Scharnier werden. Die Diskussion ist eröffnet.

(NGZ/rl)
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