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Neuss: Stabile Geburtenrate in Neuss

Neuss : Stabile Geburtenrate in Neuss

Während landesweit die Zahl der Neugeborenen zum Teil stark zurückgeht, ist ihre Zahl in der Quirinusstadt konstant. Die Stadt steuert mit einer offensiven Wohnungsmarktpolitik gegen den demographischen Trend.

Die Aussichten von jungen Leuten sind gar nicht so schlecht. "Die Zeiten sind vorbei, dass Unterrnehmen darauf warten konnten, dass die Jugendlichen zu ihnen kommen" — die Aussage der Ausbildungs-Koordinatorin von 3 M, Diana Kloempke, im Herbst bei der Berufsinformationsbörse der Sparkasse steht stellvertretend für die Haltung von Unternehmen und ist bezeichnend für einen gesellschaftlichen

Trend: Der demographischen Entwicklung mit weniger Geburten steht ein sich stetig wandelnder Arbeitsmarkt mit neuen Berufsarten und ein in vielen Branchen geringerer Bedarf an Arbeitskräften gegenüber. Weniger Kinder bedeutet für eine Kommune höhere Ausgaben, für den Bürger eine stärkere Belastung. Das trifft auf die Stadt Neuss nicht zu, sie steuert bisher erfolgreich gegen den Trend.

In Nordrhein-Westfalen wurden in den vergangenen zehn Jahren über 20 300 Kinder weniger geboren. Dabei ist die Entwicklung in den einzelnen Städten höchst unterschiedlich. So kamen in 2010 in Düsseldorf 799 Kinder mehr zur Welt als zehn Jahre zuvor. In Ruhrgebietsstädten wie Oberhausen oder Bochum waren es dagegen fünf bzw. sogar 16 Prozent weniger. In Neuss ist die Geburtenrate konstant, wie ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt: 1378 (2007), 1413 (2008), 1379 (2009) und 1383 in 2010.

Die Stadt steuert ganz bewusst gegen die demographische Entwicklung. Kämmerer Frank Gensler erklärt es aus finanzpolitischer Sicht: "Gibt es weniger Einwohner, wird es für den Einzelnen teurer." Denn die Stadt hält eine auf 150 000 Einwohner ausgerichtete Infrastruktur bereit.

Beispiel Verkehr: Werden Buslinien weniger genutzt, schlägt sich das schnell auf den Fahrpreis nieder oder wird eine Linie eingestellt. Beispiel Gebäude: Weniger Kinder führen zu Schließungen von Schulen und Kindertagesstätten. Auch im Rathaus gäbe es Folgen: Mitarbeiter, die nicht mehr im Jugendamt benötigt werden, müssten sich womöglich um Seniorenarbeit kümmern.

Damit dies nicht geschieht, betreibt die Stadt eine offensive Wohnungsmarktpolitik. Bestes Beispiel ist die Entwicklungsmaßnahme Allerheiligen mit den Baugebieten A und B. Von 2009 bis 2011 wuchs die Bevölkerung um gut tausend Menschen — darunter viele Familien mit kleinen Kindern. "Ohne Allerheiligen gäbe es auch bei usn einen Geburtenrückgang", so Gensler. Weitere Baugebiete sollen erschlossen werden, um im Wettbewerb der Kommunen bestehen zu können.

(NGZ/rl)