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Neuss: St. Quirin: Gutachter legt Glocken still

Neuss : St. Quirin: Gutachter legt Glocken still

Der Schaden an der Quirinusglocke in der Neusser Basilika ist auf den Ermüdungsbruch einer Schraube an der Gewindestange der Gegenpendelanlage zurückzuführen. Zu diesem Urteil kommt Norbert Jachtmann.

Der Glockensachverständige war am Montag in Neuss vor Ort und nahm die Anlage in Augenschein. Vorsorglich empfahl er, die insgesamt zwölf Bolzen an den Gegenpendelanlagen der übrigen sechs Glocken im Turm der Kirche auszutauschen. Das soll schon heute und morgen von einer Fachfirma erledigt werden.

Die Quirinusglocke, von der zentnerschwere Teile wahrscheinlich am Himmelfahrtstag abgerissen waren (die NGZ berichtete), wird an Pfingsten und wohl auch noch eine Weile darüber hinaus stillstehen. Jachtmann will der Neusser Gemeinde raten, vor einer Reparatur zunächst ein Schwingungsgutachten erstellen zu lassen. Denn es kann nach seiner Einschätzung sein, dass gar nicht alle sieben Glocken in St. Quirin eine Gegenpendelanlage benötigen. Unter Umständen käme die Gemeinde dann um eine Instandsetzung herum.

Brisanz birgt ein weiterer Vorschlag Jachtmanns, den er noch in dieser Woche den Verantwortlichen beim Kölner Erzbistum unterbreiten möchte: Alle vergleichbaren Anlagen im Erzbistum — die Neusser Gegenpendelkonstruktion stammt aus den 60er oder 70er Jahren — sollen genau unter die Lupe genommen werden. "Neuss ist sozusagen ein Präzedenzfall", urteilt Jachtmann. "Wir sollten überlegen, ob wir betroffene Gemeinden nicht zur Vorsorge aufrufen."

Vorsicht ist tatsächlich geboten. Die gesamte Anlage in Neuss etwa wiegt 15,55 Tonnen, die große Quirinusglocke allein bringt es schon auf immerhin 5750 Kilogramm. Die abgestürzten Teile hatten einen Holzboden schwer beschädigt.

(NGZ)