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Sportlerehrung 2019 der Stadt Neuss

Sportlerehrung : Guter Sport braucht gute Infrastruktur

240 Athleten werden bei der städtischen Sportlerehrung ausgezeichnet. Alexandra Höffgen ist nur per Video im Zeughaus dabei.

Seit 1987 vergibt die Stadt Neuss alljährlich ihre Sportehrengabe. Wolfgang Dittrich hieß der erste Preisträger. Der inzwischen 56-Jährige war damals Deutschlands bester Triathlet, der erste Deutsche überhaupt, der es beim legendären Ironman auf Hawaii als Drittplatzierter aufs Treppchen schaffte. Heute lebt er in Boulder im US-Bundesstaat Colorado inmitten der Rocky Mountains.

Alexandra Höffgen dürfte er, wenn überhaupt, nur vom Hörensagen kennen. Seine Nachfolgerin Nummer 31 sorgte bei der städtischen Sportlehrung am Dienstagabend im vollbesetzten Zeughaus für ein Novum – sie war nicht da. Freilich nicht aus mangelndem Respekt vor der Auszeichnung, die vor ihr schon Neusser Sportlegenden wie Annemarie Zimmermann, Frank Biela, Thomas Rupprath, Nadia Zülow und Sebastian Draguhn entgegen nehmen durften. Sondern weil die 25-Jährige in Italien weilt – nicht, um sich zu sonnen, sondern um sich mit der Nationalmannschaft des Deutschen Ruderverbandes auf die Wettkampfsaison 2019 vorzubereiten.

 Per Video zu sehen: Sportehrenpreisträgerin Alexandra Höffgen.
Per Video zu sehen: Sportehrenpreisträgerin Alexandra Höffgen. Foto: Woitschuetzke,Andreas (woi)
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Eine Saison, die für sie ganz im Zeichen der Qualifikation auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio steht. Was sie den Besuchern der Ehrung auch per Videobotschaft übermittelte: „Eine solche Auszeichnung macht einen nicht nur stolz, sondern ist zugleich Ansporn,“ sagt die Olympiahoffnung des Neusser Rudervereins. Drei Trainingseinheiten am Tag, die für sie in Sabaudia zum Alltag gehören, fallen da schon etwas leichter.

Die Ehrengabe hatte Bürgermeister Reiner Breuer ihr schon vor der Abreise überreicht. Der trotzdem nicht mit leeren Händen ins Zeughaus gekommen war, schließlich galt es, 240 Athletinnen und Athleten zu ehren, die im vergangenen Jahr Titel und Medaillen gesammelt hatten. Eine stolze Bilanz, wie Breuer feststellte. Aber eine, das weiß auch er, die es nicht zum Nulltarif gibt: „Hochklassiger Sport braucht gute Infrastruktur,“ sagte Breuer und verwies auf die Investitionen in Millionenhöhe, die die Stadt in den kommenden Monaten vor allem in die Sanierung von Stadtbad und Südparkbad stecken will. Investitionen, über die sich Aaron Schmidt und sein Trainer Francesco Federico besonders freuen. Das 18 Jahre alte Talent des Neusser Schwimmvereins ist eine weitere Neusser Olympiahoffnung, „auch wenn die Spiele in Tokio noch etwas früh kommen.“ Die Planungen sind eher auf Paris 2024 ausgerichtet, „aber wir trainieren step by step, wie es seinem Leistungsvermögen entspricht,“ verrät Federico. Olympische Atmosphäre durfte Aaron Schmidt bereits schnuppern – bei den Youth Olympic Games im September in Buenos Aires.

Ein Kandidat für Paris ist sicher auch Samuel Bellscheidt. Der Ringer des KSK Konkordia freute sich mit seinen jungen Teamkollegen über die von Sportdezernent Matthias Welpmann überreichte Auszeichnung als „Mannschaft des Jahres“. „Mit ihnen haben wir das Potenzial irgendwann mal wieder in der Bundesliga ringen zu können,“ sagt Michael Faller, der selbst für den KSK zu Bundesliga-Zeiten auf die Matte stieg und 2016 in Rio als Kampfrichter dabei war (was ihm im Übrigen im gleichen Jahr die Sportehrengabe der Stadt einbrachte). Doch er weiß auch: „Das braucht noch seine Zeit, die Jungs müssen sich erst an die Kämpfe bei den Erwachsenen gewöhnen.“

Das gilt auch für Laurenz Schiergen, den Deutschen Jugendmeister im Golf vom GC Hummelbachaue. Er hat eine interessante Vita, schließlich hat sich der stattliche Rest der Familie dem Pferdesport verschrieben: Vater Heiner (wurde für Sieg beim Berufsreiter-Championat ebenfalls geehrt) als Dressurreiter, Onkel Peter als Jockey und Galopptrainer.

Den – verdientermaßen – meisten Beifall heimsten freilich die Sportlerinnen und Sportler mit geistiger Behinderung ein. „Dass sie hier seit Jahren dabei sein dürfen, ist gelebte Inklusion,“ stellte Thomas Gindra fest. Der Sportlehrer der GWN durfte sich auch schon über die Sportehrengabe der Stadt freuen – im Jahre 2004 und als Nummer 17 nach Wolfgang Dittrich.