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Neuss: Spitzentreffen von Kabarettistin und Komödiantin

Neuss : Spitzentreffen von Kabarettistin und Komödiantin

Ohne Proben und ohne Textbuch: Gerburg Jahnke und Linda Riebau begeisterten im Landestheater das Publikum.

20 volle Jahre besteht die Kabarett-Reihe "neuss 20:30" im Rheinischen Landestheater - eine lange Zeit und Grund genug zum Feiern. Für eine der beiden Protagonistinnen dieser Feier sind 20 Jahre jedoch gar nicht so viel: in Sachen Partnerschaft sowieso nicht und wenn man dadurch auf ihr persönliches Alter schließen kann, dann schon gar nicht. So versuchte also die Kabarett-Koryphäe Gerburg Jahnke die Jubelzahl herunterzuspielen, während ihre jüngere Kollegin Linda Riebau ganz andere Sorgen hatte.

Heraus kam ein Spitzentreffen zwischen einer der verdientesten und bekanntesten Kabarettistinnen und der - aktuell nicht zuletzt durch die "Hör-Spiel"-Reihe - auffälligsten Komödiantin, die das RLT derzeit vorzuweisen hat. Und so geriet der Abend, der den Titel "Frau Jahnke und Frau Riebau - Eine Unterhaltung" trug, zu eben dieser: zu einer Unterhaltung zweier humorvoller, schauspielerisch talentierter und mit viel Improvisationstalent gesegneter Frauen. Sie machten vor keinem Thema halt, scheuten sich vor keinem schmutzigen Wort und griffen dabei die ganz besonderen Probleme und Erfahrungen ihrer jeweiligen Generation auf. Kein Zufall auch der Titel des Abends, trägt Gerburg Jahnke doch den gleichen Nachnamen wie die RLT-Chefin mit Vornamen Bettina.

Während Frau Jahnke (also Gerburg) in dem für sie bekannten sarkastisch-ironischen Ton über Männer, Beziehungen und das Altern als Frau dozierte, stellte Frau Riebau mit viel Körpereinsatz ihren steinigen Weg durch das Stahlbad der Schauspielschule und ihre Karriere als schwangere Frau am Theater dar. Und war überdies auch noch für das Thema "Kunst" verantwortlich. So sagte sie Gedichte auf, die sie Bert Brecht zuschrieb, der aber wohl aufgrund des Vokabulars nicht wirklich als Urheber in Frage kam. Das aber war es nicht zu leugnen: Ein Text kam von Micky Krause, dem "Ballermann-Brecht". "Zehn nackte Friseusen" geben als Gedicht vorgetragen keine wirklich gute Figur ab.

Frau Jahnke indes glitt ab in Geschichten über die Vielweiberei Brechts und dessen Abneigung zur Körperhygiene. Ebenso lehrreich die Erklärung, dass bei Frauen das Bindegewebe nachts an bestimmte Körperstellen verrutscht, um dort Partys zu feiern und am nächsten Tag den Weg zurück nicht mehr findet. Laut Frau Jahnke ...

So erfuhren die Zuschauer an diesem denkwürdigen Abend noch viele Dinge. Zum Beispiel, dass man auf der Schauspielschule lernt, so zu tun, als könne man singen. Was Frau Riebau mit Hilfe ihres "Hör-Spiel"- Kollegen Sebastian Zarzutzki eindrucksvoll unter Beweis stellte.

(NGZ)