Neuss: Spitzentreffen Neusser Musiker

Neuss : Spitzentreffen Neusser Musiker

Zum letzten Abo-Konzert der Saison hat der Chefdirigent der Deutschen Kammerakademie, Lavard Skou-Larsen, den Jazzmusiker Philipp van Endert (mit Trio) eingeladen. Für den Gitarristen ist das eine Auszeichnung.

Fast auf den Tag genau ist es jetzt sechs Jahre her, dass Philipp van Endert zusammen mit der Deutschen Kammerakademie (dkn) auf der Bühne des Zeughauses stand. Aber der Erinnerung nach könnte es auch gestern gewesen sein. Nur der Name des Dirigenten (Leo Siberski) ist dem Neusser Jazzmusiker nicht mehr so richtig präsent, aber ansonsten weiß er genau: "Es hat unglaublichen Spaß gemacht, und ich habe das richtig genossen, mit einem großen Orchester auf der Bühne zu stehen."

Und so hat er sich "unheimlich gefreut", als die dkn in Gestalt des Orchestermanagers Martin Jakubeit für eine neue Auflage der Zusammenarbeit bei ihm anklopfte. Dabei sind die Vorzeichen für das Konzert mit dem Titel "Vater und Sohn" unter der Leitung von Lavard Skou-Larsen am kommenden Sonntagmorgen gänzlich anders als vor sechs Jahren. Damals stand als Solist auch noch Lajos Dudas im Mittelpunkt, "und wir haben auch ein paar Kompositionen von ihm gespielt", sagt van Endert. Sprich: ein Konzert nach den Spielregeln von Jazzern gegeben. Mit Freiraum auch für Abweichungen, die sich im Moment des Zusammenspiels ergeben, oder mit dem Freiraum, einen fehlerhaften Ton auch wie einen gewollten klingen zu lassen.

Jetzt aber geht es nicht um Dudas, sondern um Friedrich Gulda. Denn für dessen Konzert für Violoncello und Blaskapelle kommt das Philipp van Endert Trio mit Schlagzeuger Kurt Bilker und Bassist André Nendza auf die Bühne. Dass die drei Jazzmusiker dabei komplett vom Blatt spielen müssen, ist ungewohnt: "Jede Note ist notiert, und das Spielen erfordert eine ganz andere Disziplin." Einem Gitarristen, so legt van Endert lachend nach, werde ja gerne eine Krankheit attestiert: "Er liest nicht viel." Allerdings, so beruhigt er nicht weniger amüsiert, komme er aus der Klassik, habe gelernt, vom Blatt zu spielen und vor allem "den Ehrgeiz, das auch gut zu machen". Das geht auch seinen Kollegen André Nendza und Kurt Bilker nicht anders. Beide waren sofort von der Auftrittsmöglichkeit mit der dkn begeistert. Auch wenn auf Nendza dabei besondere Herausforderungen warten: "Er muss den Bass vielleicht auch mit dem Bogen streichen", sagt van Endert.

Ob und wo die Jazzmusiker Freiraum im Spiel haben — vor allem, um auf der Gitarre auch mal einen anderen Sound zu unterlegen —, weiß Philipp van Endert noch nicht: "Möglich wäre es", sagt er, aber er stellt auch sofort klar: "Das wird sich erst in der Zusammenarbeit mit dem Dirigenten zeigen." Der 41-Jährige hat Lavard Skou-Larsen noch nicht kennengelernt, denn die gemeinsamen Proben stehen erst am Samstag an.

(NGZ)