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Neuss: Spirituelle Tanzimprovisationen

Neuss : Spirituelle Tanzimprovisationen

Mit lockeren Sätzen spannt Akram Khan am Mikrofon in der Stadthalle den Bogen um die ganze Welt. Erzählt von einer zufälligen Begegnung mit einem Taxifahrer in Sidney, der sich als einstiger bester Freund seines Vaters in einem winzigen Dorf in Bangladesh erwies – was Khan als spirituellen Moment in seinem Leben empfand.

Der Titel seines Tanzabends, "Gnosis", spricht denn auch von einer Art religiöser Erkenntnis; und die Tanz- und Musikimprovisation, die er mit seinen sechs auf dem Bühneboden sitzenden Musikern entfaltet, spielt mit Ungewissheit, Dialog und dem Vertrauen auf den richtigen Moment, dem Zusammentreffen auf der "Eins".

Nach der Pause hat der 37-jährige Akram Khan ein stehendes Gegenüber. Und wie es steht: die Füße weit auseinander, Knie gebeugt, wirkt Fang-Yi Sheu unverrückbar, wie eine Kriegerin. Sie streicht mit den Händen eine unsichtbare Wand, dann holt sie aus und schlägt beide Arme zur Seite. Hundertmal. Der Bogen nach rechts und ein scharfer Schwung nach links, wo sie stoppt, werden größer und kleiner, während eine reale Trommel ihren Impuls als Ton ausführt. Wenn Akram Khan von hinten wie ein Schatten oder Geist zu ihr tritt, ihre Schnitte durch die Luft verdoppelt, hat Fang-Yi Sheu ihn eigentlich schon besiegt. Weil sie so vollendet tanzt. Ihre filigranen Arme und Finger könnten in Wahrheit nie auf etwas draufhauen, denkt man. Die Bewegungsmusik wird so zu einer Imagination statt zur Imitiation. Bei der Premiere vor einem Jahr hatte ja eine japanische Taiko-Trommlerin diesen Part in "Gnosis" getanzt.

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Das Duett mit Khan ist Annähern und Abwehren, spielerisches Necken, Zerren, kühles Auseinandergehen. Er ist keine bestimmte Figur, Gatte oder Kind, sondern alle, alle Möglichkeiten, bis zur Stimme, die seine Hand aus dem Mund herauszieht, und bis zum Sterben, das ihn so durchschüttelt, dass er die Konturen verliert.

(NGZ)