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Neuss: SPD will Spielcasino für Neuss

Neuss : SPD will Spielcasino für Neuss

Nordrhein-Westfalen hat eine fünfte Lizenz für eine Spielbank zu vergeben. Die SPD bringt dafür die Stadt Neuss ins Gespräch. Ein Standort: der Wendersplatz. Der wird nun doch nicht für eine Zentrale der Creditreform gebraucht.

Ein futuristisches Gebäude mit dem "Verband der Vereine Creditreform" als Mieter, wie es im Januar der Politik vorgestellt worden war, wird es am Wendersplatz nicht geben. Die Wirtschaftsauskunftei hat vorerst alle Umzugspläne auf Eis gelegt, so ihr Sprecher Michael Bretz, und beschlossen, an der Hellersbergstraße zu bleiben.

Foto: Woitschützke, Andreas

Der Exklusivvertrag mit dem Investor Kölbl und Kruse aus Essen zur Entwicklung des Geländes am Hafenbecken I läuft am 10. November aus. Und was wird nun aus der Fläche? Die SPD hätte da eine Idee: Standort einer Spielbank!

Der Vorschlag sei kein Aprilscherz, betont Michael Hohlmann, der gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten und Neusser Fraktionsvorsitzenden Reiner Breuer den Stein ins Rollen gebracht hat. Denn der Hintergrund ist ganz real. Nachdem der Hauptausschuss des Landtages vergangene Woche den Weg frei gemacht hat zur Vergabe einer fünften Casino-Lizenz für Nordrhein-Westfalen, steht nun die Standortfrage im Raum. Köln hat sich beworben, Düsseldorf auch. Da wäre doch Neuss ein guter Kompromissstandort, meint Breuer.

Breuer ist als baupolitischer Sprecher seiner Fraktion an diesem Thema relativ dicht dran und wird der Landesregierung Neuss wärmstens ans Herz legen. Das müsse den Bürgermeister aber nicht davon abhalten, selbst ein förmliches Bewerbungsschreiben aufzusetzen.

Angestoßen wurden die Überlegungen der SPD nicht allein durch die laufende Debatte zur Änderung des Glücksspiel-Staatsvertrages, sondern durch einen Neusser Makler. Der hatte schon die Nase an dem Thema Spielbank und einen Standort in der Innenstadt im Blick. Rund um die Galopprennbahn gibt es sogar drei infrage kommende Flächen, für die Baurecht besteht, erklärt Hohlmann. "Das könnte ganz schnell gehen."

Der Planungsdezernent Christoph Hölters will den Vorstoß nicht politisch bewerten, doch für ein Spielcasino in Neuss fände er Argumente: Gute Erreichbarkeit, und in der Tat Flächen in Citynähe. "Ein Spielcasino gehört vom Grundsatz her in die Innenstadt." Auch den Neussern könnte er eine solche Ansiedlung nahebringen: "Ein Casino ist keine Spielhalle mit entsprechenden sozialen Randerscheinungen, sondern eine oberzentrale Freizeiteinrichtung und auch von touristischer Bedeutung." Der Kämmerer hätte sicher auch seine Freude, denn 25 Prozent der Einnahmen, die sich auf 20 Millionen Euro jährlich belaufen, blieben bei ihm. Letztlich entscheidet aber die Politik. Und da wird Köln, so vermutet Grünen-Chef Michael Klinkicht, "stärker zu vernehmen sein als unser Neusser Stimmchen."

(NGZ/rl)