1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: SPD setzt auf Reiner Breuer

Neuss : SPD setzt auf Reiner Breuer

Der Abgeordnete Fritz Behrens hat sich entschieden: Er tritt nicht mehr an. Nach dieser Absage setzt die Neusser SPD im Landtagswahlkampf erstmals seit Jahrzehnten auf einen Kandidaten aus den eigenen Reihen.

Angemeldet hatte die SPD den Infostand am Samstag an der Niederstraße, um gegen die geplante Bebauung des Wendersplatzes zu opponieren. Seit gestern ist der Betreff ein anderer: Es wird Landtagswahlkampf gemacht. Mittendrin Reiner Breuer (42), der neue Kandidat der Sozialdemokraten für Neuss. Gestern wurde er vom Parteivorstand als Nachfolger von Fritz Behrens (64) vorgeschlagen, der noch am Mittwoch intern eine erneute Kandidatur ausgeschlossen hatte. Und auch wenn die Parteigremien frühestens kommenden Freitag über Breuers Nominierung befinden können: Im kürzesten NRW-Landtagswahlkampf aller Zeiten ist keine Zeit zu verlieren.

"Kraftvoll für Neuss" versuchte Breuer gestern schon einmal einen — mit Blick auf Ministerpräsidentin Hannelore Kraft — etwas doppeldeutigen Wahlkampfslogan. Vor drei Jahren, als der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat als Herausforderer von Bürgermeister Herbert Napp antrat und 33 Prozent erringen konnte, hatte es ähnlich geklungen: "Zeit für was Neuss!"

Das wäre treffender denn je, denn die Neusser SPD vollzieht mit dieser Nominierung tatsächlich einen Strategiewechsel. "Vielleicht aus mangelndem Selbstbewusstsein", wie Parteichef Benno Jakubassa zugibt, oder weil eigene Nachwuchskräfte fehlten, setzte die SPD bislang auf Parteiprominenz im Neusser Wahlkampf, scharte sich um Kandidaten wie Friedhelm Farthmann oder zuletzt den langjährigen Innenminister Fritz Behrens. Vergangen, überwunden, vorbei, sagt Jakubassa: "Jetzt gehen wir mit einem Nüsser Jung nach vorne, der das neue Selbstvertrauen der SPD ausdrückt." Und ausgerechnet er, der Breuers Karrierepläne oft zu durchkreuzen verstand, nennt ihn nun Hoffnungsträger — und das klingt sogar ehrlich.

Breuer, dem immer mal wieder Ambitionen auf eine Beigeordnetenstelle im Rathaus nachgesagt wurden, der für das Bürgermeisteramt kandidierte und auch eine Kandidatur für den Bundestag nicht abgelehnt hätte, empfahl sich gestern als Bestbesetzung — für den Landtag. Angriffslustig: "Neuss ist nicht schwarz. Das wird ein spannender Frühling." Programmatisch: "Bildungspolitik ist die beste Sozialpolitik." Bodenständig: "Ich bin in der Kommunalpolitik groß geworden." Und trotzdem kein Anfänger auf dem Landesparkett: Als stellvertretender Landesgeschäftsführer der Sozialdemokratischen Gesellschaft für Kommunalpolitik (SGK) unterhalte er enge Netzwerke in die Landespolitik. "Diese Verbindungen will ich für Neuss nutzbar machen — nicht mehr als Berater, sondern auf der politischen Bühne." Als schärfsten Konkurrenten sieht Breuer den CDU-Kandidaten Jörg Geerlings. Konkurrenz aus den eigenen Reihen erwartet er nicht.

(NGZ/url)