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Neuss: SPD feiert Breuer bis in die Nacht

Neuss : SPD feiert Breuer bis in die Nacht

Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bis gestern am späten Abend schließlich feststand, dass SPD-Landtagskandidat Reiner Breuer die Wahl für sich entschieden hatte. Breuer war als Herausforderer gegen Favorit Jörg Geerlings (CDU) angetreten. Die Union steckte einen herben Rückschlag ein.

Die Stimmung ist angespannt, es wird wild spekuliert an diesem Abend in der Alten Post, als alle nur noch auf das Ergebnis eines Wahlbezirks warten. 400 Stimmen liegt SPD-Herausforderer Reiner Breuer zu diesem Zeitpunkt — es ist etwa halb neun Uhr abends — vor seinem CDU-Konkurrenten Jörg Geerlings. Erste Glückwünsche werden laut, doch Breuer will abwarten. Selbst als Geerlings ihn anruft, um zu gratulieren, wehrt der SPD-Kandidat ab. Er braucht zuerst ein handfestes Ergebnis. Auf iPads und Laptops werden immer wieder die Ergebnisse aktualisiert, Wahlleiter Stefan Hahn wird von den Sozialdemokraten mehrmals angerufen. Der versichert, "minütlich" könne das Ergebnis kommen.

Gedrückte Stimmung auf der Wahlparty der CDU: Kandidat Jörg Geerlings, hier mit Anna Maria Holt (re.) und Ursula von Nollendorf, blieb nicht lange. Foto: Woitschützke, Andreas

118 Wahlkreise sind bereits ausgezählt — und als der 119. um 21.20 Uhr dazukommt, kennt die Neusser SPD kein Halten mehr: "So sehn Sieger aus", singen sie im Chor und "es gibt nur ein Reiner Breuer". Der Gefeierte ist erleichtert. "Das ist eine historische Sensation für Neuss", ruft Breuer seinen Genossen zu, die mittlerweile nicht mehr nur aus Sozialdemokraten bestehen. Mehrere Grünen-Politiker und FDP-Landtagskandidat Hermann-Josef Verfürth sind gekommen. Es ist ein knappes Ergebnis für Breuer, der 0,5 Prozentpunkte vorn liegt. Aber der Herausforderer hat gesiegt. "Dieter, Dieter", rufen sie ihm zu — war doch kurz vor der Wahl Breuers Zweitname bekannt geworden. Jetzt ist es ein Schlachtruf. "Die CDU muss sich warm anziehen", sagt Parteichef Benno Jakubassa, der schon das nächste Ziel anpeilt: Einen Neusser Bürgermeister mit SPD-Parteibuch.

Während die SPD feiert — Breuer gibt die Devise aus, die "Nacht zum Tag zu machen" — ist im benachbarten Drusushof die Wahlparty schon vorbei. Ab 18 Uhr hatte sich die Neusser Union in ihrem Stammlokal getroffen, und von Beginn an ist die Stimmung am Boden. Zwar hofft Andreas Hamacher, Mitglied im CDU-Vorstand, zu diesem Zeitpunkt noch auf den "Geerlings-Effekt", aber das schlechte Abschneiden der Landes-CDU ist bitter für die Partei. Kandidat Geerlings steht bereits in der Kritik: "Mal ehrlich, wir brauchen solche Karrieristen nicht", grummelt ein CDU-Mitglied. Auch Norbert Röttgen wird hinter vorgehaltener Hand so mancher Vorwurf gemacht. Die Neusser Parteispitze macht da nicht mit. "Röttgen hat mit Sachthemen überzeugt", meint CDU-Vizevorsitzende Elisabeth Heyers.

Röttgens Niederlage ist auch bei den Neusser Grünen Thema, die sich in der Kneipe "Oki Doki" getroffen haben. "NRW Adé" ruft Vize-Fraktionschefin Ingeborg Arndt in den Raum, als Röttgen ins Bild der Großleinwand kommt. Später wird sie gemeinsam mit Grünen-Vorsitzende Susanne Benary-Höck eine der Ersten sein, die vom Oki Doki zur Alten Post wechselt, um Reiner Breuer zu gratulieren. Der muss an diesem Abend viele Hände schütteln — und immer wieder mit einstimmen wenn es heißt: "So sehen Sieger aus..."

(NGZ)