Neuss: Sparkasse in Krisenzeiten solide

Neuss : Sparkasse in Krisenzeiten solide

Trotz rückläufiger Zinsüberschüsse erreicht die Sparkasse Neuss 2011 ein Betriebsergebnis und einen Jahresüberschuss fast auf Vorjahresniveau. In Zeiten der Staatsschuldenkrise sieht sich das Geldinstitut auf stabilem Kurs.

Noch nie war Langeweile so sexy. "Keine Verluste durch Griechenland-Papiere, keine unsittlichen Renditeziele, die in der Realwirtschaft kaum zu realisieren sind, keine halbierten Gewinne", Michael Schmuck, Vorstandschef der Sparkasse Neuss, trat gestern mit "erfreulich langweiligen Ergebnissen" zur Bilanzpressekonferenz an. Die Sparkasse habe zu bieten, was angesichts der Staatsschuldenkrise in Nachfolge der Finanz- und Wirtschaftskrisen in den Vorjahren keine Selbstverständlichkeit mehr sei: "solides Wachstum".

Vorstand der Sparkasse Neuss: Heinz Mölder, Michael Schmuck (Vorsitzender), Violker Gärtner und Dietmar Mittelstädt. Foto: -

Mit guten Ergebnissen im Provisionsgeschäft, bei Wertpapieren und Girokonten sowie durch interne Sparmaßnahmen sei es mit Blick auf das Betriebsergebnis gelungen, von einem Sechs-Millionen-Euro-Minus bei den Zinsüberschüssen vier Millionen zu kompensieren. Unterm Strich steht für 2011 ein Jahresüberschuss auf Vorjahresniveau (5,8 Millionen Euro), der erneut eine Ausschüttung an die kommunalen Träger der Sparkasse ermöglicht. Im vergangenen Jahr waren das drei Millionen Euro. Die Kommunen profitieren zudem von Gewerbesteuerzahlungen in Höhe von 6,7 Millionen Euro.

"Unschön" seien die Belastungen durch die Auflösung der WestLB

Mit dem Ergebnis für 2011 bleibt die Sparkasse Neuss unangefochten Marktführer im Rhein-Kreis. Gemessen an einer Bilanzsumme von 6,1 Milliarden Euro gehört das Geldinstitut mit seinen 1387 Mitarbeitern und 102 Auszubildenden zu den 35 größten der bundesweit 426 Sparkassen. Ihre Bedeutung besonders für die mittelständische Wirtschaft in der Region macht die Sparkasse auch am wachsenden Kreditgeschäft fest. Neubewilligungen in Höhe von 500 Millionen Euro, davon 273 Millionen (Vorjahr 245 Millionen) Euro für private Baufinanzierungen zeigten, so Schmuck, wie kreditintensiv die Sparkasse arbeite: "Von Kreditklemme keine Spur." Über Vorjahr schließt auch das Einlagengeschäft ab. Vorstand Volker Gärtner verweist auf plus 1,5 Prozent (Volumen: 4,12 Milliarden Euro). Um höhere Zinserträge zu erzielen, seien bei den Kunden langfristige Sparkassenbriefe wieder gefragt.

"Unschön" hingegen, so Sparkassenchef Schmuck, seien die Belastungen durch die Auflösung der WestLB: "Aber: Wir bekommen das hin — und die Kunden sollen das nicht spüren." Mit zehn Millionen Euro wird sich die Sparkasse Neuss an der neuen Verbundbank beteiligen, die aus der WestLB herausgelöst wird. Seit 2009 werden zudem jährlich drei Millionen Euro zurückgelegt, um über die bestehenden Garantien hinausreichende Verluste der WestLB-Abwicklungsanstalt auszugleichen. Ob diese Rücklagen in voller Höhe in Anspruch genommen würden, stehe noch nicht fest. Davon abgesehen rechnet Schmuck für 2012 mit einem "Jahr, das Bremsspuren hinterlässt". Die Ergebnisse der Sparkasse könnten "ein bisschen unter 2011" liegen. Grundsätzlich bleibe die Lage stabil — "vorausgesetzt, die Staatsschuldenkrise springt nicht auf die Realwirtschaft über".

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