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Sozialer Wohnungsbau in Neuss: So schön kann preiswert sein

Sozialer Wohnungsbau in Neuss : So schön geht preiswertes Wohnen

Öffentlich geförderter Wohnungsbau kann von architektonisch hoher Qualität sein. Den Beweis traten Markus Schmale und der Bauverein an der Wolberostraße an. Ein Hausbesuch.

Die Wände strahlend weiß, die Laubengänge auf den vier Etagen aufgeräumt, der Spielplatz sauber, die Beete gepflegt. Genau ein Jahr, nachdem die ersten Mieter das Haus Wolberostraße 26 bezogen haben, kann Architekt Markus Schmale keine einzige Beschädigung erkennen. Das ist schon für Mehrfamilienhäuser mit über 30 Parteien nicht unbedingt der Normalfall und in einem Haus mit ausschließlich Sozialwohnungen – glaubt man Kritikern – vielleicht noch weniger zu erwarten. Doch Schmale hat seine eigene Erklärung: „Ein beseelter Ort wie dieser macht etwas mit den Menschen.“

Der Bauverein als Bauherr an der Wolberostraße hat auch schon andere Erfahrungen gemacht. In Erfttal und Weckhoven ließ er Hochhäuser, die sich zu sozialen Brennpunkten zu entwickeln drohten, abreißen und ersetzte sie durch Gebäude, die Schmale „menschlichen Maßstäben angepasst“ nennt. Das setzt sich fort. Die Wolberostraße, sagt er, „ist nicht mehr Neue Heimat“.

Wie hoch der Anteil an öffentlich gefördertem und damit preisgebundenem Wohnraum bei Bauvorhaben sein kann, darf oder muss, ist inzwischen eine Streitfrage bei jedem größeren Neubauprojekt in der Stadt. Zuletzt wurde darüber debattiert, als Pläne zum Bau eines Quartiers mit 300 Wohnungen – einschließlich eines Hochhauses mit bis zu 20 Etagen – an der Anton-Kux-Straße im Hammfeld bekannt wurden. Man wolle keine Zustände wie etwa im Rheinpark-Center, schimpfte Ingrid Schäfer, als die SPD den Anteil der „Sozialwohnungen“ auf 50 Prozent anheben wollte. Arno Jansen (SPD) hielt jedoch dagegen, dass sozialer Wohnungsbau heute in der Regel sehr qualitätvoll sei.

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Das würden die Bauvereinsvorstände Frank Lubig und Dirk Reimann unterschreiben, die mit dem Mehrfamilienhaus an der Wolberostraße den Einstieg in eine „Quartiersreparatur“ versuchen wollen. Für das Hochhaus an der Alemannenstraße mit 47 Wohnungen lägen schon Pläne vor, sagt Lubig, der dann auch noch benachbarte Mehrfamilienhäuser modernisieren will.

Die profitieren schon jetzt von dem Neubau vor ihrer Nase, ist Schmale überzeugt, denn sie schauen nicht mehr auf einen verkrauteten ehemaligen Bolzplatz, wo nachweislich mit Drogen gehandelt wurde, sondern auf ein schönes Gebäude, das mit dem vorhandenen Grün „verzahnt“ worden sei. Ein geschützter Innenhof im Neubau erweitert sich in ihre Richtung zu einem Platz, auf dem – bis auf einen – alle Bäume erhalten werden konnten. Möglich wurde das, weil die Stadt erstmals nicht auf den Bau einer Tiefgarage bestand. Stattdessen durfte Schmale die Parkplätze auf dem Nachbagrundstück auf einem Parkdeck nachweisen, das verschwinden kann, wenn sich das Mobilitätsverhalten ändern sollte.

Größten Wert hat Schmale beim Bau auf die Treppenhäuser („Mach es groß, das vermeidet Angsträume“), einen Ausblick ins Grüne von jeder Wohnung aus und die Laubengänge gelegt. Etagenabsätze in den Treppenhäusern mit „Tür rechts, Tür links“ gibt es nicht. Statt dessen erschließt jeder Gang maximal zwei Wohnungen und jede hat eine eigene Haustür – wie bei Reihenhäusern. Wichtig war Schmale auch die Auswahl der Materialien, denn dunkel abgesetzte Klinkerzeilen außen und Granit innen drücken Wertigkeit aus – die offensichtlich wertgeschätzt wird. Nur aus den begrünten Dachgärten Terrassen zu machen, hat er sich verboten. Das hätte nur Neid erzeugt.

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