Neuss: Sorge um denkmalgeschützten Pavillon

Neuss: Sorge um denkmalgeschützten Pavillon

Lukaskrankenhaus will Grundstück hinter der Rheintorklinik an Investor verkaufen. Stadt sähe dort offenbar gerne eine Kita.

Das Lukaskrankenhaus hat im Jahr 2004 mit dem Paracelsus-Zentrum an der Hafenstraße, der heutigen Rheintor-Klinik, auch das große Grundstück zwischen Hafen- und Königsstraße erworben. Dafür hat das städtische Krankenhaus nun keine Verwendung mehr. Ein Verkauf sei so gut wie sicher, sagt "Lukas"-Sprecherin Ulla Dahmen. Ein Investor außerhalb des Konzerns Stadt will auf dem innerstädtischen Areal Wohnungen bauen. Mit ihm wird konkret verhandelt. Aber auch die Stadt hat angeblich ein Auge auf die Fläche geworfen, wo potenziell ein Kindergarten entstehen könnte. Oder kommt beides zustande?

Die Rodungs- und Planierarbeiten der jüngsten Zeit sind aber noch keine Vorboten eines raschen Baubeginns, stellt Dahmen klar. Vielmehr wurde nur die Basis für archäologische Untersuchungen geschaffen, die von den Archäologen der Stadt begleitet werden sollen. Solche Grabungen sind bei Neubauvorhaben im historischen Stadtkern vorgeschrieben, werden in diesem Fall allerdings einem Kaufvertrags-Abschluss vorangestellt.

"Es gibt keine Pläne, dass die Lukita dort tätig wird", kommentiert Dahmen die Gerüchte, dass die Stadt gerne auf der Fläche eine Kindertagesstätte sehen würde. Solche Ideen hatte das Lukaskrankenhaus im Jahr 2014 zwar selbst erwogen, offenbar aber verworfen.

Doch der Bedarf an Kita-Plätzen ist groß. Auch das Lukaskrankenhaus, unter dessen Dach die ehemals städtischen Kitas von dem Träger Lukita weitergeführt werden, hatte zuletzt deshalb Post vom Sozialdezernenten bekommen. Ein Brandbrief, so Dahmen. Inhalt: Die Stadt sucht dringend Kita-Flächen und bittet um Hilfe bei dieser Standortsuche. Diese Botschaft sei auch beim "Lukas" vernommen und mit Verständnis aufgenommen worden. Konsequenzen: noch keine.

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Wie konkret das Interesse der Stadt an der Fläche wirklich ist, will Stadt-Pressesprecher Peter Fischer nicht kommentieren. Möglicherweise gebe es in der Ratssitzung am Freitag, 20. April, einen Zwischenbericht zur Kita-Situation in Neuss, sagt er. Aber auch dann würden keine Einzelflächen benannt werden. Offenbar, um sie nicht der Gefahr auszusetzen, als Standort zerredet zu werden.

Wie die Nachnutzung auch immer aussieht: Der Pavillon, der einsam und einsturzgefährdet auf der nun geschaffenen Brache steht, stellt ein Sonderproblem dar. Denn das Gebäude, das Anfang des 20. Jahrhunderts von der Familie Werhahn errichtet wurde, steht seit April 2014 unter Denkmalschutz. "Wir wissen um die Bedeutung des Pavillons", sagt Dahmen. Möglicherweise bleibe der ja auch auf dem Gelände der Rheintorklinik.

Verbürgt ist, dass das Gelände und damit auch der Pavillon einst im Besitz der Neusser Unternehmerfamilie Werhahn war. Peter Werhahn hatte um 1870/1880 an der Schnittstelle der von der großen Familie Werhahn bewohnten Häuser eine grüne Oase anlegen lassen, in der sich Hühner tummelten, Gemüse angebaut wurde und exotische Bäume wuchsen. Und wo besagter Pavillon entstand. Bis in die sechziger Jahre sollen Garten und Pavillon mehr oder weniger intensiv als Idyll mitten in der Stadt genutzt worden sein. Danach geriet das Gelände fast in Vergessenheit - und mit ihm die heute trostlos anzuschauende Gartenlaube.

(-nau)
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