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Neuss: Sorge über Salafisten-Treffen

Neuss : Sorge über Salafisten-Treffen

Am Wochenende haben sich in Weckhoven Salafisten getroffen. Bei der als "Seminar" angekündigten Veranstaltung war auch der Islamist Abou Maleeq zugegen. Auf einer Videoplattform im Internet ist das Treffen zu sehen.

Der Verfassungsschutz hat schon seit einiger Zeit den muslimischen Verein an der Weckhovener Straße im Visier. Das bestätigte ein Sprecher des NRW-Innenministeriums auf Anfrage. Die Veranstaltung vom Wochenende, die von Salafisten aus Solingen organisiert worden war, sei aufmerksam beobachtet worden, hieß es. Die Ergebnisse müssten noch ausgewertet werden.

Für die Ausländerbehörde im Rathaus ist Präsenz des Verfassungsschutzes nicht neu, sagte Leiter Hermann Murmann: "Wenn wir Hinweise auf Salafisten erhalten, dann beziehen sie sich stets auf den Standort Weckhoven." Bürgermeister Herbert Napp erklärte, es sei Strategie der Verwaltung, es denen so schwer wie möglich zu machen, die sich gegen Gesetz, Recht und Gesellschaftsordnung stellen. Hermann Murmann von der Ausländerbehörde warnt jedoch: Es bestehe Gefahr, dass Extremisten junge Leute anwerben.

Am Wochenende hatten Salafisten aus Solingen in dem Weckhovener Versammlungsstätte ein zweitägiges Seminar veranstaltet. Wie die Polizei bestätigte, gehörte zu den Rednern auch der ehemalige Berliner Rapper Deso Dogg, der unter dem Namen Abou Maleeq als islamischer Prediger auftritt.

Die Polizei, die sich zu Ermittlungsergebnissen bislang nicht äußert, hatte am Wochenende auf den Zufahrtstraßen im Neusser Süden verstärkt Verkehrskontrollen durchgeführt, die offenbar im Zusammenhang mit dem Salafisten-Treffen standen. Indirekt bestätigte das Jürgen Steinmetz, der als Allgemeiner Vertreter auch den Landrat als Polizeichef vertritt: "Wir wussten seit Freitag von der Veranstaltung."

"Von der Ideologie der Salafisten müssen wir uns ganz klar distanzieren", betonte Hakan Temel, stellvertretender Vorsitzender des Neusser Integrationsrats. "Extremismus in jeder Form ist immer zu verurteilen". Überrascht von dem Auftritt der Salafisten zeigte sich der zuständige Stadtverordnete Thomas Kattner (CDU): Bislang habe der Verein unauffällig agiert, sagte Kattner. So hatte der Verein im Sommer 2011 auf Initiative der CDU-Ratsfrau Karin Kilb zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Doch das damals geschaffene Vertrauen ist zerstört: "Der Verfassungsschutz war zu Recht vor Ort", sagte Kattner gestern.

In direkter Nachbarschaft des Vereins, der die Salafisten zu Gast hatte, hat ein weiterer muslimischer Verein seinen Sitz: Der "Bildungs- und Kulturverein Neuss Camii". "Wir haben keinen Kontakt zu Salafisten", sagt der Sprecher des zuständigen Dachverbands VIKZ, Seyfi Öütlü. In dem zu seinem Verband gehörenden Verein, der in Weckhoven an der Straße Am Palmenstrauch sitzt, gebe es keinerlei Zusammenarbeit mit Islamisten, sagt Öütlü.

(NGZ/rl)