Neuss: Solisten mit anspruchsvoller Orchestermusik

Neuss : Solisten mit anspruchsvoller Orchestermusik

Ein Geburtstagsgeschenk der eigentlich eher aufregenden Art gönnte sich Alexander Wening selbst. Auf den Tag genau 22 Jahre alt geworden, stellte sich der talentierte Musiker mit dem "Hornkonzert D-Dur" von Joseph Haydn im Zeughaus erstmals einem größeren Publikum vor.

Aber von Aufregung bei ihm keine Spur: Die wunderbaren Melodien im "Adagio" blies Alexander Wening im Dialog mit dem meist parallel, dabei sehr sauber begleitenden Neusser Kammerorchester (NKO) facettenreich, in der blendend gespielten Solokadenz des Finalsatzes lotete er intelligent die Grenzbereiche seines Instrumentes aus. Davon hätte Haydn nur träumen können, denn das Waldhorn seiner Zeit war ein reines Naturhorn mit entsprechend begrenztem Tonvorrat.

Seit 47 Jahren fördert das NKO besonders talentierte Nachwuchsinstrumentalisten und bietet ihnen mit anspruchsvoller Orchestermusik ein einzigartiges Forum. Beim letzten "Konzert junger Künstler" waren gleich drei junge Musiker eingeladen.

Die in Köln studierende Französin Delphine Latil hat als Harfenistin bereits internationale Konzerterfahrung. Ihre beiden "Danses für Harfe und Streicher" von Claude Debussy wurden vor allem im "Danse sacrée", von tiefen Streichern gedämpft begleitet, zu klanglicher Poesie.

Der durchgeistigten Musik Debussys begegnete das Neusser Publikum reserviert, bewunderte aber das vollendete Spiel. Uneingeschränkt gefeiert wurde Julia Bremm, die beim "Flötenkonzert G-Dur" (KV 313) von Wolfgang Amadeus Mozart vor allem in den virtuosen Ecksätzen mit brillantem Spiel begeisterte. Glücklicherweise war das NKO unter Joachim Neugart nicht nur aufmerksamer Begleiter, sondern konnte mit zwei hochkarätigen Orchesterwerken für sich werben.

Spätestens seit der Hochzeit von Prinz William mit Kate Middleton im April ist die 1928 entstandene "Romanze Es-Dur für Streichorchester" (op. 11) von Gerald Finzi einem größeren Publikum bekannt. Die expressive, zugleich ruhige Melancholie hätte das NKO mit seiner derzeitigen Klasse ebenfalls in Westminster Abbey aufführen können.

Festliche Stimmung wie zum Beginn des "Weihnachtsoratorium" von Johann Sebastian Bach verbreitet seine Ouvertüre in der "Orchestersuite D-Dur"(BWV 1068). Mit Pauken, drei Trompeten und zwei Oboen aufwändig instrumentiert, blieben die Violinen glänzend konzertant.

Die folgende Streicher- Air" ließ die Herzen der Zuhörer aufgehen: Jeder im Saal kannte Bachs bekanntestes Orchesterstück. In Gavotten laden die Trompeten mit rhythmisierendem Glanz zum Tanz, die abschließenden "Bourée" und "Gigue" feierte das NKO als höfische Festmusik von hohem künstlerischem Rang.

(NGZ)
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