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Neuss: So verschuldet ist Neuss

Neuss : So verschuldet ist Neuss

Die Neusser haben 2010 mehr Schulden gemacht als im Vorjahr. Das ist ein Ergebnis des "Schuldner-Atlas", den gestern die Creditreform vorstellte. Besonders junge Menschen geraten in finanzielle Schwierigkeiten.

Die Einwohner des Barbaraviertels tragen in Neuss die rote Schulden-Laterne. Jeder vierte der 2757 Bewohner (oder 26,55 Prozent) gilt nach den Maßstäben der Experten von Creditreform und VR Bank als überschuldet. Sie stellten gestern in den Räumen der Auskunftei an der Heesenstraße in Düsseldorf den "Schuldner-Atlas 2010" vor.

Der Konjunkturforscher Rainer Bovelet hat zum siebten Mal im Auftrag der Creditreform den Regionalraum Düsseldorf — er schließt Düsseldorf, Rhein-Kreis Neuss und den Kreis Mettmann ein — unter die Lupe genommen. Ein Areal, das immerhin 19 Kommunen, 219 Stadt- und Ortsteile und (darin lebend) 1,27 Millionen Menschen über 18 Jahren umfasst. Das Ergebnis: Die Menschen machen wieder häufiger Schulden. Im Regionalraum Düsseldorf lag die Schuldner-Quote bei 10,69 Prozent (2009: 10,29 Prozent).

Barbaraviertel-Bewohner klamm

Die Stadt Neuss liegt mit einer Quote von 12,08 Prozent (2009: 11,46 Prozent) damit im hinteren Bereich. Neben dem Barbaraviertel sind auch die Einwohner der Stadtteile Hammfelddamm-Hafen (Schuldner-Quote: 25,87 Prozent), Erfttal (16,06) und Weckhoven (15,85) tendenziell klamm.

Besonders gut da stehen dagegen die Stadtteile Selikum (5,12 Prozent), Speck/Wehl (6,85) und Hoisten (7,06).

Zwei Trends hat Creditreform-Chef Detlev Frormann als besorgniserregend ausgemacht: Die Zahl der hoch Verschuldeten nimmt mehr zu als die der gering Verschuldeten; der Anteil der 18- bis 20-Jährigen, die in der Kreide stehen, hat im Regionalraum in der Zeit zwischen 2005 und 2010 von 1800 auf 4100 zugelegt.

Auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen liegt im Plus. Im Kreis Neuss wählten immerhin 476 Menschen diesen Ausweg. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es gerade einmal 32. "Wir können froh sein über jeden, der eine Privatinsolvenz einleitet, um aus den Schulden rauszukommen", sagt Rainer Bovelet.

Er macht die geringe Kenntnis, aber auch Scham dafür verantwortlich, dass oftmals noch wenige Schuldner diesen Weg einschlagen. Das Schadenspotenzial der Verbraucherinsolvenzen für die Gläubiger indes ist enorm und lag im Rhein-Kreis Neuss 2010 bei 26 Millionen Euro.

Hauptgrund Arbeitslosigkeit

Als Hauptgrund für die Überschuldung hat Rainer Bovelet die Arbeitslosigkeit ausgemacht. Den Kopf lässt der Forscher aber nicht hängen: "Angesichts der Prognosen sind wir noch glimpflich davongekommen."

Mit einem Schuldenrückgang rechnet Schuldenforscher Bovelet frühstens 2012. Risikofaktoren wie die Eurokrise seien noch nicht ausgestanden.

(NGZ)