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Neuss: So strahlt der Frühling

Neuss : So strahlt der Frühling

Die Sonne scheint, die Blumen blühen: Gelb ist die Farbe des Frühlings. Raps, Butterblume und Löwenzahn stehen in voller Blüte. Die Natur kündet vom neu erwachten Leben, was Maler und Dichter gleichermaßen inspiriert.

Gelb blühen die Butterblumen auf den Wiesen am Rhein, auf Neusser Äckern blüht dank sommerlicher Temperaturen schon jetzt der Raps und in so manch einem Blumenkasten haben fleißige Gärtner gelbe Stiefmütterchen gepflanzt. Dass Gelb die Farbe des Frühlings ist, wusste schon Johann Wolfgang von Goethe: "Gelb ist die nächste Farbe am Licht", schrieb der Dichter im Jahr 1810. "Sie besitzt eine heitere, muntere, sanft reizende Eigenschaft", heißt es in seiner Farbenlehre.

Das Erwachen der Natur, das neue Leben, die kräftigen Farben inspirieren Künstler schon seit Jahrhunderten. "Der Frühling bringt den Menschen neue Tatkraft", sagt Gisela Fischer von der Autorengruppe Kleeblatt. Alle Jahreszeiten seien inspirierend, erzählt die Dichterin — "aber der Frühling bringt die besten Ideen." Auch für die Illustratorin Claudia Ehrentraut hat die neue Jahreszeit Veränderungen gebracht. An ihren schwarz-weißen Werken aus Tusche will sie im Moment nicht weiter arbeiten: "Der Frühling bringt Farbe ins Leben und in die Kunst", sagt Ehrentraut. Jetzt malt sie in Acryl — und Gelb gehört dabei zu ihren liebsten Farben.

Im Frühling ändert sich die Wahrnehmung der Menschen. Alles wirkt wärmer, leichter und schöner. "Grüner Schimmer spielet wieder, düben über Wies' und Feld. Frohe Hoffnung senkt sich nieder auf die stumme trübe Welt", diese Worte dichtete August Heinrich Hoffmann von Fallersleben im 19. Jahrhundert unter dem Titel "Frühlings Ankunft". Der Frühling bringt uns Farbe und Licht. Vor allem das Sonnenlicht ist es, dass positive Gefühle in den Menschen auslöst. Es regt die Produktion bestimmter Hormone an, die Laune bessert sich. So genannte Frühlingsgefühle sind also keine Einbildung.

"Das Licht scheint im Frühling ganz anders", sagt die Malerin Melanie Richter. "Die Farben leuchten intensiver, die Wahrnehmung schärft sich". Die Neusserin weilt gerade für einen Studienaufenthalt in Paris, und lässt sich dort inspirieren von den Farben des Frühlings. "Die Stimmung ist in dieser Jahreszeit etwas ganz besonderes", sagt die Künstlerin. Eine Stimmung, die zum Schaffen, zur Tatkraft motiviert. "Erwacht der Frühling, erwacht auch der Mensch", sagt Dichterin Gisela Schäfer. Auch weil die Natur ihn wieder einlade, zu verweilen, mit singenden Vögeln und bunten Blumen. "Wenn ich jetzt im Frühling durch die Natur spaziere, dann geht mir das Herz auf", sagt Gisela Schäfer, die selbst viele Frühlingsgedichte verfasst hat. Das vergängliche Glück der blühenden Natur genießen, empfiehlt auch ein Volkslied von Richard von Wilpert: "Nur einmal bringt des Jahres Lauf uns Lenz und Lerchenlieder. Nur einmal blüht die Rose auf, und dann verwelkt sie wieder", mahnt Wilpert dort. Und weiter heißt es: "Sei jung und blühend einmal nur, doch das durchs ganze Leben."

(NGZ)