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So ökologisch ist der Wahlkampf in Neuss

Kommunalwahl in Neuss : So ökologisch ist der Neusser Wahlkampf

Die Innenstädte und viele Ausfahrtsstraßen sind dieser Tage wieder voll mit Plakaten und Bannern zur Kommunalwahl. Welchen Wert die Parteien auf Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit dabei legen, hat die NGZ in einer Umfrage ermittelt.

NGZ-Leserin Annemarie Effertz spricht aus, was vor den Kommunalwahlen am 13. September in Nordrhein-Westfalen viele Neusser denken: „Plakate im Sinne von ‘viel hilft viel’ scheint das Motto der meisten Parteien zu sein – egal, wo angebracht. Einige wurden leider an jungen Bäumen angebracht und schnüren mit ihren Kabelbindern die Rinde, andere behindern auf Rad- und Fußwegen.“ Dabei stellt sich ihr die Frage, ob sich ein Wähler überhaupt noch durch ein Plakat beeindrucken lasse?

Arno Jansen, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion, ist natürlich bewusst, „dass man mit Plakaten aus einem CDU- keinen SPD-Wähler machen kann“, bringt jedoch deren Mobilisierungseffekt ins Spiel: „Ein Verzicht würde zu einer niedrigeren Wahlbeteiligung führen.“ Bürgermeisterkandidat Roland Sperling (Die Linke) bestätigt das: „Werbefachleute sagen, dass die Menschen entgegen ihrer Aussagen darauf achten. Viele würden ohne diese Plakate überhaupt nicht wissen, dass eine Wahl stattfindet. Das geht über die Presse und die sozialen Medien nur bedingt.“ Michael Fielenbach, Spitzenkandidat der FDP, „plädiert jedoch ganz stark dafür, dass wir eine solche, durch die Corona-Krise nur bedingt erklärbare, Plakatflut wie in diesem Jahr nie wieder zulassen dürfen.“ Michael Klinkicht, der für Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl zum zweiten Mal seit 2009 als Bürgermeisterkandidat antritt, spricht sogar von einer Materialschlacht. Darum führt Sperling („In Neuss ist das exorbitant ausgeufert.“) eine Obergrenze in die Diskussion ein. „So etwas gibt es in vielen anderen Städten schon.“ Für CDU-Geschäftsführer Marcel Stepanek „immer ein nettes Gedankenspiel“. Der von den Menschen auf der Straße als übertrieben empfundene Einsatz der Wahlempfehlungen ist für ihn auch eine Reaktion auf Covid-19. „Normalerweise würden sich unsere Kandidaten bei Schützenfesten, Pfarrfesten oder ähnlichen Veranstaltungen den Wählern vorstellen, aber das ist in diesem Jahr nicht möglich. Die Plakate dienen als Medium.“

Die damit verbundenen und von Annemarie Effertz ebenfalls bemängelten Umweltbelastungen (Druck, Papier, Entsorgung) haben die Parteien auf dem Schirm. Fast alle setzen auf recycelbare Hohlkammerplakate aus dem Kunststoff Polypropylen. Und die vor allem bei Kindern beliebten Giveaways (Werbeartikel) seien, wenn möglich, vor Ort ressourcenschonend produziert und wiederverwertbar. Des Weiteren schwebt Klinkicht eine Beschränkung auf wenige großflächige Plakate an zentralen Stellen vor, „wo sich jede Partei mit Gesichtern oder Botschaften darstellen kann. Dann bräuchte man nicht jede, von den großen Parteien belegte, Laterne zuzumüllen.“ Diese kleine Spitze kann sich der Grünen-Politiker im Wahlkampf dann doch nicht ersparen.

Wie die Parteien mit den Plakaten umgehen, lesen Sie hier.