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Serie Stadtgeschichten (58): So kommt der Neusser Prinz ins Fernsehen

Serie Stadtgeschichten (58) : So kommt der Neusser Prinz ins Fernsehen

Mit der Sitzung "RheinZeit Helau" gibt der Heimatsender Center-TV Vereinen, Interpreten und auch Prinzenpaaren aus der Region eine Bühne, um sich zu präsentieren. In der dritten Folge dieser Sendung ist das Neusser Prinzenpaar Antonius "Toni" und Annelie Weber zu sehen.

Neuss Im Rheingoldsaal brodelt die Stimmung, doch nur eine Tür weiter ist kühle Professionalität gefordert. "Jetzt bist du dran", funkt der Regisseur ein knappes Kommando an den Kameramann mit der Nummer vier: "Du bist drauf! Achtung, nicht mehr wackeln" – und Anton Weber (63) taucht auf dem Monitorbildschirm auf. Prinz Toni II. – ist im Fernsehen! Und das sogar als gefeierter Mittelpunkt.

Den Auftritt der Band "De Fetzer" aus dem Rhein-Kreis, die bei "RheinZeit Helau" zwei Mal engagiert war, verpassten die Neusser Tollitäten knapp. Foto: Center-TV

Drei Stunden früher und zehn Kilometer weiter westlich in Neuss ist Toni II. noch designierter Prinz, aber schon mitten drin im dicksten Trubel. Denn schon vor der offiziellen Proklamation des Prinzenpaares, die sich erst am heutigen Samstag in der Stadthalle vollziehen wird, ist der Terminplan von Toni und seiner Novesia Annelie Weber (53) rappelvoll. Das Programm für diesen Tag: Proklamation des Kinderprinzenpaares am Nachmittag, Sessionseröffnung der Weckhovener KG Müllekolk am Abend – und zwischendurch ein Abstecher zur Düsseldorfer Rheinterrasse, wo der Heimatsender Center TV seine Sendung "RheinZeit Helau" aufzeichnet. "Jetzt auf die Zwei", gibt die Regie Anweisung – und die Novesia kommt ins Bild.

Novesia Annelie in der Maske: Da darf nichts glänzen! Foto: Center-TV

Wie der designierte Prinz trägt auch Annelie Weber noch nicht das Ornat der Novesia. Das hängt zwar daheim schon fertig im Schrank, doch vor der offiziellen Proklamation verbietet es die karnevalistische Etikette, sich öffentlich in ihm zu zeigen. Vor Jahren hatte das einmal ein Prinz ignoriert und eine Einladung in die Arena auf Schalke angenommen – im Ornat. Was folgte, ist mit "Irritationen" noch nett beschrieben. Dann doch lieber in der Uniform des Karnevalvereins "NCC Fidelitas" vor die Kamera, der Heimatgesellschaft der Tollitäten. "Und drei, und zwei, und eins – und raus", zählt die Ablaufregisseurin runter, und die Moderatoren wechseln zum nächsten Programmpunkt.

Aufnahme läuft: Von einem so genannten Mischer aus werden die sechs Kameraleute koordiniert. Die Bildauswahl trifft die Regie. Foto: Center-TV

Drei Sendungen zeichnet der Sender an diesem Tag nacheinander auf, eine vierte am Tag darauf. Und auch wenn jede 90 Minuten dauert, so ist doch keine wie die andere. Das verlangt jedem im 20-köpfigen TV-Team in der zum Fernsehstudio umfunktionierten Rhein-gold-Halle Präzision und Konzentration und dem Team im Hintergrund eine akribische Vorbereitung ab. Gesicht jeder Sendung sind die Moderatoren: Christian Zeelen, Ankermann von Center-TV, und Stefan Kleinehr, ehemaliger Prinz Karneval in Düsseldorf und Geschäftsführer der Veranstaltungsagentur "Lust und Laune". "Helau Düsseldorf", schmettert der ins Mikrofon – da ist das Prinzenpaar aus Neuss noch in der Maske. Vielleicht zum Glück.

Christian Zeelen, das "Gesicht" von Center-TV, begrüßte das Prinzenpaar. Foto: Center-TV

Was im Fernsehen perfekt aussehen wird, hat hinter den Kulissen den Charme der Improvisation. "Gastgarderobe" steht an der Tür zu einem Veranstaltungsraum, hinter der sich Funken-Tanzgarden mit Dehnübungen auf ihren Auftritt vorbereiten, Musiker ihre Gitarre stimmen, Redner ihre Gags memorieren. Mittendrin, an einem kleinen Tisch, bekommen die Neusser Tollitäten Stirn und Näschen gepudert. Sie sind erst im letzten Drittel diese dritten Sendung an der Reihe, kurz bevor die A Capella-Gruppe "Die Wanderer" zum Finale auf eine der vier Bühnen in der Halle kommt.

Auf der haben sich zuvor Bands, Komiker aber auch Prinzenpaare förmlich die Klinke in die Hand gegeben. Als erster war Thomas Puppe an der Reihe, Düsseldorfs Prinz Karneval des Vorjahres mit Größbäckerei in Neuss. Im zweiten Teil wird das Ratinger Prinzenpaar interviewt, bevor dann – endlich – Toni und Annelie Weber ins Scheinwerferlicht gebeten werden. "Einmal Prinz zu sein, ist das Schönste", bekennt der kommende Prinz im Gespräch mit den Moderatoren. "In Neuss erst Recht." Das klingt schon ganz schön nach Generalprobe für die Proklamation.

Familiär geht es zu bei Center-TV, trotzdem ist der Kitzel groß. Die Sitzung wird zwar aufgezeichnet, aber unter Live-Bedingungen. Die gut 100 Gäste im Saal sind ein wichtiger Teil davon – und wissen das auch. In größeren und kleineren Gruppen hatten sich sich bewerben müssen, um bei dieser Sendung dabei sein zu dürfen. Sarah Winzen (21) musste das nicht. Die 21-Jährige gehört zur Novesia-Garde und damit zur Bedeckung der höchsten karnevalistischen Repräsentanten von Neuss. "Wir schauen natürlich, was die anderen Funken so machen", sagt Winzen, dann darf sie mit auf die Bühne. Der Rest geht unter in Schunkeln, Klatschen und Lachen.

Am Elften im Elften sei die Anspannung größer gewesen, sagen Annelie und Toni Weber. Vor dem Auftritt. Denn damals stand beim Hoppeditz-Erwachen das scheidende Prinzenpaar noch mehr im Mittelpunkt. Nun ist Toni II. der Mittelpunkt und muss natürlich auch zum Neusser Schützenwesen Auskunft geben. "In Neuss ist alles Brauchtum. Uns kann man am Aschermittwoch nicht einfach abschalten", schlägt Toni Weber gekonnt die Brücke, der als Schütze im August auf dem Markt debütierte. Warum die Novesia für zwei Hospize sammelt, wird nicht gefragt. Und Toni Weber, der diese, wie er sagt, "zutiefst menschliche Arbeit" erlebte, als vor einigen Jahren seine erste Frau starb, fängt auch nicht davon an.

Für den Neusser Karnevalsausschuss und seine 19 Vereine ist Center-TV ein wichtiger Partner geworden. Der Kappessonntagszug, Höhepunkt der Session, wird von den Düsseldorfern übertragen. Und das Wetter soll dann gut sein – wird in der Sendung behauptet, die aufgezeichnet ist, jedoch erst am Montag, 21. Januar, ausgestrahlt wird. Aber, vielleicht stimmt's ja.

(NGZ)