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Neuss: So gut sind Pflegeheime in Neuss

Neuss : So gut sind Pflegeheime in Neuss

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) hat den Neusser Seniorenpflegeheimen durchweg erstklassige Noten gegeben. Doch was sagen die überhaupt aus? Es gibt viel Kritik an diesem Notensystem.

Schenkt man den reinen Schulnoten Glauben, dann ist es um die Seniorenpflegeheime in Neuss bestens bestellt. Drei von zwölf wurden jetzt mit der Traumnote 1,0 bewertet: Altenheim Kloster Immaculata, Gerontopsychiatrisches Pflegeheim St. Georg und das Heinrich-Grüber-Haus in Weckhoven. Vier weitere haben besser als der Landesdurchschnitt von 1,3 abgeschnitten. Alles gut? Der Erfttaler Pflegeexperte Werner Schell warnt: "Es zeigt vielleicht eine gewisse Tendenz, mehr nicht."

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen (MDK) ist für diese Noten verantwortlich. Er untersucht regelmäßig die Pflegeeinrichtungen und erstelle eigene Qualitätsberichte. Die fallen mitunter auch mal eher mäßig aus. So kassierte die Pflegeeinrichtung des Klosters Immaculata bei der vorletzten Prüfung eine Gesamtnote 3,5. "Wir haben danach alles neu strukturiert", sagt Christian Neubert, stellvertretender Pflegedienstleiter und Qualitätsbeauftragter. "Wir haben neue Pflegedokumentationen und Pflegeplanungen erstellt, Mitarbeiter zu Fortbildungen geschickt und intern geschult." Nicht zufrieden war man damals auch im Krankenheim Herz Jesen (Gesamtnote 2,7); in der jetzt unter Regie des Lukaskrankenhauses laufenden Einrichtung wurde einiges verändert, die gerade abgeschlossene neue Prüfung führt wohl, so heißt es, zu einem Ergebnis, das "besser als der Landesdurchschnitt von 1,3" ist.

Auch in den Einrichtungen sind die Prüfungen, unabhängig vom jeweiligen guten oder mittelmäßigen Abschneiden, umstritten. "Zum Glück werden die Kriterien zurzeit überprüft", sagt Karen Rothenbusch, Leiterin des Heinrich-Grüber-Hauses. "Es wird zu viel Wert auf das Erstellen von Dokumentationen gelegt, weniger auf die Fragestellung: Wie fühlen sich die Menschen in der Einrichtung?" Auch bei der Heimaufsicht des Rhein-Kreises ist man zurückhaltend. Dort hieß es unlängst noch von einem Sprecher: "Die Noten geben oft ein völlig falsches Bild einer Einrichtung wieder, sie sagen nichts darüber aus, wie der Bewohner behandelt wird." Drastisch formuliert es Pflegeexperte Schell: "Eine schöne Speisekarte hebt ein Durchliegegeschwür am Ende in der Benotung auf." Er fordert ebenso wie Interessensverbände, die Gewichtung zu verändern: "Das Wohlergehen der Bewohner muss im Mittelpunkt der Prüfung und Benotung stehen, nicht die einwandfreie Dokumentation."

Wer ein gutes Pflegeheim sucht, dem rät Schell, weniger auf die MDK-Note zu achten, als vielmehr sich selbst einen Eindruck zu verschaffen: "Hingehen, sich umschauen, mit Pflegekräften und Bewohnern sprechen."

(NGZ/jul)