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Neuss: Sisyphusarbeit am Straßenrand

Neuss : Sisyphusarbeit am Straßenrand

Die Stadt hat ihre Bürger an die Pflicht zur Straßenreinigung ermahnt, doch einige wehren sich und kehren den Spieß um: Wo die Stadt zuständig sei, werde auch nicht regelmäßig gefegt und gekehrt.

Wilma Heinen wohnt seit 1967 am Glehner Weg. Die Straße ist von Laubbäumen gesäumt, die derzeit in Massen ihre Blätter abwerfen — und damit Rinnen, Straße und Bürgersteig, Grundstückseinfahrten und Vorgärten mit einer gleichmäßigen Laubschicht bedecken. Regelmäßig greift die 74-Jährige deshalb genau so wie andere Nachbarn zum Besen, um der Sache Herr zu werden. Vergeblich.

Was sie erbost: Drei Wochen lang ließ sich keine Kehrmaschine blicken, um die Blätter im Fahrbahnbereich zu entfernen. "Von der Stadt aus passiert nichts", sagt sie. Dass sie sich um Sauberkeit auf dem Grundstück und dem Bürgersteig sorge, ist für sie selbstverständlich. Das Ganze arte jedoch zu einer Sisyphusarbeit aus, wenn Blätter, die durch professionelle Straßenreinigung entfernt werden könnten, über Wochen liegenbleiben und immer wieder verweht werden.

"Das ist eine Zumutung!" Wilma Heinen machte deshalb gegenüber der Stadtverwaltung Anfang der Woche ihrem Ärger Luft. Dass daraufhin gestern Morgen nun kurzfristig reagiert wurde und eine Kehrmaschine ihre Runde auf dem Glehner Weg drehte, ist für Wilma Heinen nur ein schwacher Trost.

Was bei ihr und weiteren NGZ-Lesern sauer aufstößt, ist eine Pressemitteilung, mit der die Stadt jetzt die Bewohner von Anliegerstraßen an ihre Reinigungspflichten erinnert hatte. Ein Argument: Wenn nicht gefegt und gesäubert werde, wirke sich das negativ aufs Stadtbild aus. Was aus Sicht der Leser insofern nicht nachvollziehbar ist, weil dort, wo die Stadt zuständig ist, ihrer Erfahrung nach ebenfalls nichts passiert.

Johanna Henning, die seit fast 50 Jahren an der Pestalozzistraße in Grimlinghausen wohnt, wendet sich auch im Namen ihrer Nachbarn an die NGZ. Als Negativbeispiel nennt sie den Grüngürtel rund um das benachbarte Schulgelände der Pestalozzi-Grundschule. In den vergangenen Jahrzehnten sei der Busch- und Baumbestand dort in keiner Weise zurechtgestutzt worden.

Johanna Henning vermutet, dass dort das Grünflächenamt gefordert sei. Weil nie etwas passiert sei, reichten viele Zweige mittlerweile "weit über die Straße". Dadurch bilde sich im Herbst ein Blätterteppich, von dem bei feuchter Witterung eine Rutsch- und Verletzungsgefahr ausgehe. Henning fragt: "Was wäre, wenn was passiert? Wer haftet?" Und sie verweist darauf, dass der Straßenrand vor ihrem Grundstück oft so zugeparkt werde, dass sie gar nicht reinigen könne.

Jürgen Scheer, Sprecher der Neusser Abfall- und Wertstofflogistik, zeigt Verständnis für die Anliegen, erinnert aber daran, dass schon vor Jahren in Neuss die Straßenreinigungsgebühr abgeschafft wurde. Nach einer Satzungsänderung vom Juni 2007 wurde das Stadtgebiet in so genannte Stadt- und Bürgerstraßen eingeteilt. Auf "Stadtstraßen" gelte laut Scheer die Regel, dass der Fahrbahnbereich in bestimmten Abständen durch die AWL gereinigt werde, der Bürgersteig hingegen durch die Hauseigentümer/Anwohner sauber gehalten werden müsse.

In "Bürgerstraßen" seien die Eigentümer zudem verpflichtet, auch für die Sauberkeit der Fahrbahn zu sorgen. Gleichwohl würden auch diese Straßen zumindest halbjährlich von der AWL befahren. Im Herbst wiederum gehe man angesichts des fallenden Laubs so vor, dass das Stadtgebiet von Nord nach Süd planmäßig und möglichst umfassend mehrfach durch Kehrmaschinen und Kolonnen gesäubert werde. Dadurch verschieben sich laut Scheer die sonst üblichen Reinigungsintervalle auf Stadtstraßen — dazu zählt der Glehner Weg — um einige Tage.

Info Wer sich vergewissern will, ob er an einer Stadt- oder Bürgerstraße wohnt, kann dies im Internet unter www.awl-neuss.de, Rubrik Straßenreinigung, tun.

(RP)