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Neuss: Singen im Rampenlicht

Neuss : Singen im Rampenlicht

Nach der "Akustischen Mobilmachung", einem offenen Singen mit Schauspielern, geht das RLT in der nächsten Saison einen Schritt weiter. Gesungen wird nach Themen und bei einer "Nacht der Chöre".

Wenn Stefanie Schnitzler an das erste Mal denkt, muss sie lächeln. "Acht Leute waren damals gekommen", sagt sie und ergänzt durchaus mit leisem Stolz in der Stimme: "Heute sind es immer 40, meistens sogar 60." Das offene Singen im Rheinischen Landestheater, das die RLT-Theaterpädagogin in ihrem Haus vor zwei Jahren ins Leben gerufen hat, stand damals analog zum Spielzeitmotto "kämpfen!" unter dem Titel "Akustische Mobilmachung"und soll in der nächsten Spielzeit ein "Akustisches Manöver" werden.

"Das Theater mobiler verlassen als man reingekommen ist", bleibt nach wie vor das Ziel der Veranstaltung, sagt Schnitzler, die sich "total darüber freut", dass die monatliche Veranstaltung Kreise gezogen hat, die mittlerweile zwei Generationen beim Singen vereinen — von privaten Freundinnen über Patienteninitiativen bis zu Kita-Betreuern.

Ein fester Freundeskreis fürs gemeinsame Singen ist dabei entstanden, aber kein geschlossener. Das bliebt auch so, wenn sich ab Oktober die Modalitäten ein wenig verändern. Parallel zu den Theateraufführungen bekommt jede Singstunde ein festes Thema — los geht es mit Klezmer-Musik zur Eröffnungspremiere "Hiob". Dass es grundsätzlich bei Liederabenden bleibt, ist das Ergebnis einer Abstimmung unter den Mitwirkenden. "Ich hatte auch die Erarbeitung eines Werks angeboten", sagt Schnitzler, "aber die Mehrheit wollte die Freiheit der Liederabende."

Dass diese nun nach Themen strukturiert sind (aber auch weiterhin in Abstimmung mit einem Schauspieler gefüllt werden), lässt jedem die Möglichkeit, bei Desinteresse auch wegzubleiben. "Und genauso sind auch jederzeit Neueinsteiger willkommen", betont Schnitzler. Sie wird die Singstunden zudem nicht mehr allein führen, sondern hat mit Beatrice Raffelt eine gelernte Chorleiterin an der Seite — im realen Leben arbeitet sie in der RLT-Buchhaltung. Was Raffelt an klanglichen Experimenten startet, werde Schnitzler dramaturgisch ergänzen, erläutert Raffelt. "Auf diese Weise können wir zweistimmig arbeiten", sagt Schnitzler und betont zudem die "unhierarchische" Struktur.

Insgesamt sind neun "Akustische Manöver" in der nächsten Spielzeit geplant. Sieben von ihnen enden mit der Wahl des liebsten aller gesungenen Lieder. Am achten Abend werden dann all die Favoriten noch einmal gesungen, um dann das endgültige Sieger-Lied festzulegen. Denn das bekommt einen besonderen Auftritt. Kurz vor dem Ende der Sing-Strecke gibt es nämlich eine "Nacht der Chöre" im RLT, in der die Sänger ihr eigenes Publikum sind. Dafür können sich auch andere Chöre, Singkreise oder Bands anmelden, denn alle gemeinsam werden am Ende ein Werk singen, das in Teilen in der jeweiligen Gruppe eingeübt wurde.

(NGZ/rl)