Neuss: Sinfonische Frühlingsgefühle im Zeughaus

Neuss : Sinfonische Frühlingsgefühle im Zeughaus

Das Sinfonieorchester der Musikschule, die Sinfonia, zeigte eine wunderbaren Jahresauftritt.

Just am Vorabend des Frühlingsanfangs stand ein zeitnahes Konzert auf dem Programm. Vier Komponisten steuerten dazu ihre Ideen bei, wie der Lenz am besten in sinfonische Töne zu fassen ist, und allesamt waren sie Volltreffer. Im großen Saal des Zeughauses hatte Sinfonia, das Sinfonieorchester der Musikschule, seinen blendenden Jahresauftritt.

Auf ihre ganz eigene Art lockten dabei Jean Sibelius, Benjamin Britten, Carl Orff und Robert Schumann die warme Jahreszeit herbei. Gekonnt geleitet wurden das 40-köpfige Orchester von Burkhart Zeller und die Bläser gesondert von Monika Pennig. Uwe Brandt gab den auffallend bühnenreif akzentuierenden Sprecher.

"Frühlingszauber" war der Abend überschrieben, und - genau besehen - wurde diese Verheißung voll eingelöst. Das klassikgewohnte Publikum dankte es mit großer Aufmerksamkeit und schlussendlich mit langanhaltendem Beifall.

Jean Sibelius' "Frühlingslied" - vom Orchester eigenhändig im finnischen Sibelius-Museum ausgegraben, es war also eine veritable deutsche Uraufführung - beeindruckte mit der nordischen Stimmungslage. Noch nicht so recht vom Eise befreit waren Tundra, Wälder und Seen, aber der Wechsel zum Frühjahr kündigte sich musikalisch an. Ein richtiges Naturpanorama tat sich da auf.

In kleinerer Besetzung, nur die Streicher musizierten, überraschte Benjamin Britten mit seiner "Simple Symphony". Einfach war daran nichts, dafür spielerisch harmonisch abgestimmt, durchsichtig, hell. Den Interpreten gelang die Ausdeutung aufs Vorzüglichste, ihr pizzicato klang absolut perfekt. Herrlich klingt der Satz "Sentimental Saraband", und das ist nicht zuletzt dem Bogenstrich der Streicher zu verdanken.

Die Vorlage der "Carmina Burana" von Carl Orff ist Hunderte Jahre alt. Fünf Sätze davon wurden hier eigens für zehn Bläser bearbeitet. Glück, Liebe, Tanz - sind das nicht die dringend nötigen Ingredienzien jeden Frühlingszaubers? Dunkles Mittelalter? Nichts da! Die Bläser musizierten den herrlichsten Lenz herbei.

Robert Schumanns "Frühlingssinfonie" bedurfte bei diesem Publikum keiner näheren Beschreibung. Auch dieser große Brocken wurde vom Ensemble glänzend gestemmt. Akustische Mängel im engen Saal bei tutti-Einsätzen? Geschenkt. Und souverän von allen Musikern überspielt. Ein dankbares Kompliment für den vollen sinfonischen Genuss.

(NGZ)
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