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Architekten-Ehepaar aus Weckhoven fordert Schadensersatz wegen der Regenwasser-Schäden: Sind die Kanäle zu klein dimensioniert?

Architekten-Ehepaar aus Weckhoven fordert Schadensersatz wegen der Regenwasser-Schäden : Sind die Kanäle zu klein dimensioniert?

Von Chris Stoffels

Von Chris Stoffels

Die Spuren der Überflutungen der Keller im Neusser Süden sind weitgehend beseitigt. Doch die Unwetter haben Spuren in den Köpfen hinterlassen und Misstrauen gegen die Stadt Neuss geschürt. Jetzt fordert ein Weckhovener Architekten-Ehepaar Schadensersatz von der Stadt. Es wirft der Stadt "grobe Pflichtverletzung" bei der Dimensionierung und Pflege des Kanalsystems vor.

Die Bürger in Weckhoven, Holzheim und Allerheiligen sind sauer: In ihren Häusern stand nach den sintflutartigen Regengüssen am 4. Juli das Wasser in den Kellern und richtete große Schäden an (die NGZ berichtete). Genau protokolliert hat das Weckhovener Architekten-Ehepaar Michael Gödde und Sabine Steffens-Gödde die Schäden in seinem Haus an der Bernhard-Lichtenberg-Straße. Sie vermuten, dass eine "grobe Pflichtverletzung" der Stadt Neuss bei der Dimensionierung und der Pflege des Kanalsystems die Ursache für die Überschwemmung war.

Penibel genau mit dem Auge des Fachmanns hat das Architekten-Ehepaar festgestellt, "dass das Wasser nicht durch Rückstauprobleme als Schmutzwasser, sondern ausschließlich als Oberflächenwasser von außen eingedrungen ist". Das bedeutet: Die Ursache für den Wassereinbruch liegt in dem öffentlichen Kanalsystem. Michael Gödde und Sabine Steffens-Gödde richten einen ganzen Fragen-Katalog an die Stadt, in der eine Reihe Probleme genau abgeklärt und ihr Verdacht untermauert werden soll. Insbesondere interessieren die Architekten sich für die Fragen, wann und für welche Größe das Kanalnetz im Neusser Süden geplant und gebaut wurde.

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In Weckhoven und in Allerheiligen hegen die betroffenen Bürger einen Verdacht: Das Kanalnetz ist für die Kapazität der alten Ortskerne dimensioniert. Mit den Wassermengen durch die großen Neubaugebiete und die Versiegelungen in beiden Stadtteilen sind die Kanäle bei etwas stärkerem Regen völlig überlastet und können die Wassermassen nicht mehr fassen. In Allerheiligen kommt es auf diese Weise regelmäßig zu Wasser-Problemen in den Häusern.

Hinzu kommt nach Beobachtungen des Ehepaars Gödde, dass die Kanäle und Zuflüsse nur völlig unzureichend gereinigt und gepflegt werden. Darin liege eine weitere Pflichtverletzung der Stadt. Es fordert Schadensersatz und geht davon aus, dass auch die Rechnung der Feuerwehr, die zum Auspumpen des Kellers angefordert und wegen der Überlastung erst Stunden später gekommen war, nicht beglichen werden muss. Ganz anders stellt sich die Situation aus Sicht der Stadt Neuss dar.

Nach Angaben von Wilhelm Heiertz, technischer Leiter der Stadtentwässerung, "kann das Kanalsystem nicht auf so außergewöhnliche Regenereignisse wie am 4. Juli ausgelegt werden". So wurden binnen Stunden in Holzheim 65 Liter pro Quadratmeter gemessen - mehr als das Monatssoll. "Gegen solche Mengen kann man sich im Rahmen der Verhältnismäßigkeit nicht schützen". Im übrigen werden alle Kanäle im Stadtgebiet im Rahmen des Generalentwässerungsplanes überprüft und wenn nötig ersetzt.

In diesem Plan aus den 80er Jahre sind bis zu 60 Millionen Mark pro Jahr für die Erneuerung der Kanäle und der Kläranlagen vorgesehen. Speziell in Weckhoven allerdings ist das Kanalsystem noch nicht überholt worden. Laut Heiertz hat es in diesem Bereich in den vergangenen Jahren keine Auffälligkeiten gegeben. Er weist auch den Vorwurf von sich, die Kanäle würden nicht ausreichend gereinigt.

Eine Verwaltungsvorschrift gibt einen Zeitraum von zwei Jahren für die Reinigung vor: "Diesen Zeitraum halten wir strikt ein", so Heiertz. Häufiger gereinigt werde nur, wenn es dazu einen besonderen Anlass gäbe, zum Beispiel eine schnellere Verschmutzung bekannt sei. "Das ist jedoch in Weckhoven nicht der Fall." Vielmehr habe dort die nächste turnusmäßige Reinigung in diesem Herbst angestanden. Den Vorwurf einer Pflicht Verletzung seitens der Stadt weist er von sich.

Michael Gödde und Sabine Steffens-Gödde, die das Schreiben an die Stadt unter anderem auch an Kreis und Land sowie die Stadtrats-Fraktionen geschickt haben, streben ausdrücklich eine Einigung "ohne Juristen" an. Ob das möglich sein wird, wird erst die Stellungnahme der Stadt zeigen, die detailliert in den kommenden Tagen erarbeitet wird. Unterdessen werden aber auch die politischen Parteien in der Wasserfrage aktiv.

So hat die CDU für den 7. August, 19.30 Uhr, in der Bauernstube in Gier zu einer Bürgerversammlung eingeladen, die sich mit den Wasserschäden in diesem Stadtteil befassen soll.