Neuss: Simone Solga zerlegt aktuelle Themen

Neuss: Simone Solga zerlegt aktuelle Themen

Die Kabarettistin verschonte auf der Bühne des RLT keinen Bereich der politischen Diskussion.

Als Simone Solga, die politischste und zierlichste (1,58 Meter) Kabarettistin Deutschlands, die Bühne betritt, wissen die meisten Besucher im Rheinischen Landestheater genau, was sie erwartet. Denn spätestens seit sie den deutschen Kabarettpreis 2014 errang, ist sie auf vielen Bühnen und im TV unterwegs. In der RLT-Kabarettreihe "neusspunktacht" musste sie sich erst einmal über den guten Besuch im großen Haus wundern: "Viele Rentner trauen sich doch auch in Neuss so spät nicht mehr auf die Strasse."

Dann aber zerlegt die auch als Schauspielerin und Sängerin erfolgreiche Ostdeutsche (in Gera geboren, in Leipzig aufgewachsen) in ihrem Programm "Im Auftrag Ihrer Kanzlerin" in atemberaubenden Staccato die gesellschaftspolitischen und aktuellen Themen der Republik in ihre Einzelteile. Einst als "Kanzlersouffleuse" in einem früheren Programm gestartet, ist sie inzwischen zur Beraterin aufgestiegen und hat als langjährige Vertraute der Kanzlerin auch intime Einblicke. Muss Angela Merkel das noch einmal vier Jahre machen? "Das liegt am eklatanten Fachkräftemangel in ihrer Partei." Und Horst Seehofer? Als "bayerisches Standgebläse" nun wirklich keine Alternative.

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Kein Bereich der aktuellen politischen Diskussion bleibt verschont. Der neue Bundespräsident hat bisher die Faszination "einer Wiedervorlagemappe". Ihr kompromissloses Tempo erschrickt bisweilen: "Sie sind alle verlogen, die Politiker, bis dort hinaus und auch wir. Wir wollen so moralisch und fair sein, aber es darf nichts kosten." Das Flüchtlingssterben im Mittelmeer wäre der ARD drei Brennpunkte wert, wenn es sich um ein Kreuzfahrtschiff handelte. Aber so? "Die Toleranz wächst mit der Entfernung zum Problem." Zur Entspannung richtet sich Solga direkt ans Publikum. Vor allem Helmut in der ersten Reihe ist Opfer: "Schickes Hemd haben Sie an. Bleiben Sie Ihrem Stil treu, der kommt wieder!" Dafür erhält er von ihr auch einen Tee, "weil er vom Alkohol runter muss".

Aber ihr Charme obsiegt, und sie hat die Lacher auf ihrer Seite, als sie das Publikum zum Thema "Überalterung" auffordert: "Gucken Sie sich um, man sieht's doch schon!" Als Simone Solga, auch als Sängerin bemerkenswert, ihr Programm mit drei Liedern beendet, gab es stürmischen Applaus. Erst - "wegen der Kultur" - singt sie ein kokett vorgetragenes Liebeslied: "Ein Trojaner, der sich in mein System einhackt, ist jede Stunde wert!", für den Kanzlerkandidaten Martin Schulz "fährt ein Zug nach Nirgendwo" und das Nachtlied für die Kanzlerin, "Schlafe, holde Herrscherin", ist einfach nur entzückend und beendet den Abend harmonisch.

(NGZ)
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