Neuss: Sicherheit im Jobcenter prüfen

Neuss : Sicherheit im Jobcenter prüfen

Die Nachricht von der tödlichen Messerattacke im Jobcenter wurde überall mit Betroffenheit aufgenommen. Vor allem mit Blick auf den geplanten Neubau am Hauptbahnhof wird jetzt über mehr Sicherheit diskutiert.

Nach den tödlichen Messerstichen im Jobcenter an der Stresemannallee werden nun die Sicherheitsstandards in den Standorten dieser Behörde in besonderer Weise ins Visier genommen. Das kündigte gestern Kreissozialdezernent Jürgen Steinmetz als Mitglied der Trägerversammlung an. Vor allem gelte das für den Neubau hinter dem Neusser Hauptbahnhof, in dem ab 2014 insgesamt 423 Mitarbeiter aus vier Standorten im Kreis zusammengezogen werden.

Die Messerattacke eines 52-jährigen Neussers, der gestern ohne Vorankündigung das Büro einer 32-jährigen Sachbearbeiterin aus Düsseldorf betrat und diese nach einer verbalen Auseinandersetzung niederstach, hat nicht nur in ganz Neuss große Betroffenheit ausgelöst.

"Wir sind fassungslos und zutiefst betroffen über diese schreckliche Tat", sagte Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, der als Leiter der Kreispolizeibehörde als einer der Ersten am Unglücksort eintraf. "Diese Tat ist durch nichts zu rechtfertigen. Weder durch eine schwierige private noch berufliche Situation", betonte später Landesarbeitsminister Guntram Schneider, der sich vor Ort ein Bild von der Lage machte.

"Unsere Gedanken sind jetzt beim Opfer und den Angehörigen", meldete sich Bürgermeister Herbert Napp aus dem Urlaub und sprach aus, was auch alle anderen bewegt. Sozialdezernent Stefan Hahn ("Viele Mitarbeiter des Jobcenters waren früher bei der Stadt beschäftigt. Das fühlt sich so an, als wäre das bei uns passiert.") führte deshalb gestern Gespräche mit Mitarbeitern Sozial-, Jugend- oder Ausländeramt, wo ähnlich viel Publikumsverkehr herrscht.

Wendeline Gilles, Geschäftsführerin des Jobcenters, betonte beim Stichwort Sicherheit, dass die Räume an der Stresemannallee vor dem Bezug mit der Polizei und Vertretern der Unfallkasse besichtigt worden seien. Denn anders als in eigenen Gebäuden, so ergänzte Johannes Schmitz als Leiter der Arbeitsagentur Mönchengladbach, ist die Vorgabe, dass — neben elektronischen Alarmierungssystemen — alle Büros untereinander mit Türen verbunden sein müssen, in angemieteten Räumen wie an der Stresemannallee nicht umsetzbar. "Abschotten geht auch im Sinne unserer Kunden nicht", betonte Schmitz, der deshalb überzeugt ist: "Es wird Zeit, dass wir den Neubau bekommen."

Konkrete Vorschläge für mehr Sicherheit kamen gestern nicht zuletzt von der Mittelstandsvereinigung der CDU im Kreis. "Es ist schon lange bekannt, dass die Mitarbeiter in den Jobcentern regelmäßig mit Angst ihre Arbeit erledigen", erklärte der MIT-Vorsitzende Jens Hartmann. Daher werde es Zeit, dass Metalldetektoren zur Personenkontrolle, die in Gerichten, Museen oder Flughäfen längst Standard sind, im Eingangsbereich aller Jobcenter eingesetzt werden.

Mehr Bilder und ein Video von dem Einsatz unter www.ngz-online.de/neuss

(NGZ/rl/ac)
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