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Neuss: Shakespeares Foyer in vier Tagen aufgemöbelt

Neuss : Shakespeares Foyer in vier Tagen aufgemöbelt

Für den erkrankten Produktionsleiter des Globe-Festivals, Andreas Giesen, führt Britta Franken vom TaS die Regie hinter den Kulissen.

Chaos? Welches Chaos! Da mag in der Wetthalle das Mobiliar noch kreuz und quer stehen, der Vorplatz noch zu leer sein, um sich vorzustellen zu können, dass bis morgen Abend alles das stimmungsvolle Ambiente des Shakespeare-Festivals ausstrahlt – Rainer Wiertz und Britta Franken bleiben gelassen. Wenig Zeit haben sie dieses Mal gehabt, nur vier Tage, konnten erst am Montag mit dem Herrichten anfangen. Und dann auch noch ohne den langerprobten Produktionsleiter Andreas Giesen, denn der muss wegen einer Erkrankung in diesem Jahr pausieren. Für ihn ist Britta Franken, im Hauptberuf kaufmännische Geschäftsführerin des Theaters am Schlachthof (TaS), erst vor gut drei Wochen ins Team gekommen.

Aber weil dieses aus einem großen festen Kern besteht, hatte Franken nicht das Gefühl, vor dem Nichts zu stehen. "Im Gegenteil", sagt sie, "alle sind wahnsinnig gut aufeinander abgestimmt." Das sieht auch Festivalleiter Rainer Wiertz so. Für ihn ist die Verpflichtung von Britta Franken eine ideale Lösung gewesen, denn "sie ist ein Profi und kennt sich mit Neuss bestens aus". Zudem weiß auch er: "Wir bauen problemlos auf der Arbeit von Andreas Giesen auf."

50 Männer und Frauen kümmern sich in den nächsten vier Wochen um die Companys und ihre Besucher. Darunter sind Studenten, aber auch Fachleute wie Bühnenmeister Michael Klos, Kulturpädagogin Katharina Termath oder das Ausstattertrio Maiko Ophei, Vilnis Putrams und Nico Rütten. Sie arbeiten Hand in Hand, kommen nur an ihre Grenzen, wenn andere ins Spiel geholt werden müssen: Weil der Internetanschluss nicht funktioniert oder die Laternen auf dem Vorplatz schief stehen – und somit die Pappbäume auch, die an den Masten befestigt werden sollen.

Dann muss Britta Franken ran, die auch während der Vorstellungen die Regie hinter den Kulissen führt und zudem eine andere wichtige Funktion übernimmt: Sie läutet das Glöckchen, wenn die Aufführung beginnt, die Pause vorbei ist. Ob es jenes vom Vater geerbten SchützenGlöckchen von Andreas Giesen sein wird, weiß sie noch nicht: "Wir suchen es noch", sagt sie lachend, "aber wenn es sich nicht findet, werde ich ein anderes besorgen."

Während sich die Wetthalle als Foyer des Festivals weitgehend im bekannten Ambiente präsentiert, gibt es für den Vorplatz ein paar Neuheiten. So musste die Mini-Bar ausgemustert werden, was allen Beteiligten großes Kopfzerbrechen machte: Woher eine neue nehmen? Als Retter erwies sich der Bürger-Schützen-Verein mit seinem Präsidenten Thomas Nickel, der sein Merchandising-Häuschen vom Schützenfest zur Verfügung stellt. Und für das Shakespeare-Gastspiel bekommt es sogar eine andere Werbung, "aber natürlich kann das problemlos wieder rückgängig gemacht werden", sagt Franken.

Das weißgestrichene Häuschen steht jetzt dort, wo sonst die Einführungen in die Stücke mit Vanessa Schormann stattfinden. Die Shakespeare-Expertin aus München ist selbstverständlich wieder dabei, wird die Gespräche mit Schauspieler oder Regisseuren aber auf der Wiese des Führrings und umgeben von Rhododendron-Büschen führen.

(NGZ)