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Neuss: Shakespeare für Lehrer

Neuss : Shakespeare für Lehrer

Der englische Schauspieler und Regisseur Stephen Jameson zeigt deutschen Lehrern, wie sie die Werke von Shakespeare ihren Schülern vermitteln können. Dabei ist auch viel Körpereinsatz gefragt.

Durch die etwas düsteren Gewölbekatakomben des Kulturkellers klingen laute Töne in reinstem Londoner Englisch. Professor Stephen Jameson, Artistic Director an der Schauspielschule "Mountview Academy" in London, erklärt mit ausdrucksstarker Körpersprache, wie sich Schauspieler am besten auf die ihnen zugewiesenen Charaktere einlassen. 24 junge Lehrkräfte lauschen ihm konzentriert und stellen Fragen. Wie bringt man seinen Schülern Shakespeare nahe? Wie schafft man es, junge Leute für einen seit knapp 400 Jahren toten englischen Dichter zu begeistern? Warum sollte man heutzutage überhaupt noch so viel Zeit auf diesen angestaubten Stoff verwenden? Jameson weiß die Antworten. "Diese Fragen sollten sich die Schüler nach der Erfahrung mit Shakespeare noch einmal stellen."

Doch zuvor heißt es: weg vom trockenen Stoff, hin zu einem erlebnisorientierten Lernen mit vollem Körpereinsatz. Das ist das Motto der "Globe-Education", dem Workshop-Programm des Neusser Shakesperare-Festivals, in dessen Rahmen Jameson bei einem "Teaching Shakespeare"-Workshop erstmals nicht Schüler sondern Lehrer unterrichtet. "Er hat ein sehr gewinnendes Wesen", beschreibt Produktionsleiter Andreas Giesen den offensichtlichsten Vorteil des Engländers, dem man die Begeisterung und die Leidenschaft für seine Arbeit in jeder Sekunde anmerkt.

Diese Begeisterung geht schnell auf die Workshop-Teilnehmer über, weshalb auch die anfängliche gegenseitige Scheu schnell überwunden ist. "Es war am Abend vorher etwas beängstigend, darüber nachzudenken, 24 erwartungsvollen Lehrern gegenüberzustehen", erzählt Jameson, "doch es war eine großartige Erfahrung, alle sind sehr positiv an das schwere Thema herangegangen." Solche Erfahrungen von Lehrern und Schülern entlasten vor allem die Schulen, erklärt Kulturamtsleiter Harald Müller, "deswegen wollen wir hier alle Register ziehen, um etwas Besonderes anzubieten".

Das scheint zu gelingen, die Workshops für den Sommer sind bereits fast ausgebucht, der Einzugsbereich reicht von Holland bis München, überwiegend kommen die Interessenten jedoch aus NRW. "Die Kurse nehmen den Schülern die Hemmungen vor Shakespeare, sie lernen die Charaktere hautnah kennen, es wird ein Bezug zur heutigen Zeit hergestellt und die Lehrer gehen ins Erleben, so dass die eigentliche Knochenarbeit Shakespeare von allen hochmotiviert angenommen wird", erläutert Barbara Kempen vom Kulturamt Neuss die Vorteile der Globe-Workshops, die von professionellen Mitarbeitern, die bereits im Londoner Globe oder sogar weltweit Shakespeare gespielt und gelehrt haben, unterstützt werden. "Das Team hier ist wunderbar, man kennt sich, fühlt sich hier wohl", sagt Jameson und fragt – rhetorisch: "Also wer geht daraus nicht als Gewinner hervor?"

(NGZ)