Shakespeare-Festival im Globe in Neuss: Studenten lernen das Handwerkliche

Shakespeare-Festival in Neuss : Für Shakespeare lernen Studenten das Handwerkliche

Wenn heute Abend das Festival im Globe eröffnet wird, muss alles fertig sein. Dieses Jahr hatte das Team um Charlotte Kons dafür fast vier Tage Zeit.

Charlotte Kons spricht von einer „großen wohltuenden Ruhe“, Kulturamtsleiter Harald Müller von dem Mehr an Zeit, und Kulturreferent Rainer Wiertz genießt, dass die Arbeit jetzt in anderen Händen als den seinen liegt. Heute Abend wird das Shakespeare-Festival im Globe eröffnet, aber die Macher desselben hatten noch gestern und auch angesichts des Durcheinanders in der Wetthalle die Ruhe weg. Mit Recht, wie sich mit Sicherheit heute Abend herausstellt: wenn alles an seinem Platz ist, die Brötchen zum Snacken verlocken, das Ambiente dank der Ausstattung zum verfrühten Besuch oder längeren Dableiben verführt – und es endlich wieder mit dem Globe-Theater losgeht.

Einen Aufbautag mehr als in anderen Jahren hatte die Crew um Künstlerin Kons – was auch ihr Urteil erklärt und bei Müller auf große Gelassenheit stößt. „Sogar die gemieteten Bäume von den GWN haben genau die richtige Größe für unsere Holzkisten“, sagt er und lacht.

Hektik und Stress ließen sich in diesem Jahr vermeiden. Kons, das Team der Produktionsleiter mit Viktoria Klunk, Sophie Koning und Dennis Prang sowie die gesamte, aus Studenten bestehende Helferschar hatten ausreichend Zeit fürs „Teambuilding“ (Kons), und für die Ausgestaltung nach ihren Plänen. Wobei der eine oder andere auch das erste Mal handwerkliches Geschick zeigen musste.

Ob jemand zwei linke Hände hat, nicht weiß, wie man zum Beispiel eine Heckenschere bedient, spielt bei der Rekrutierung der im Schnitt 40 Köpfe großen Studentengruppe keine Rolle. „Wir schreiben ja nicht aus“, sagt Wiertz, „sondern verlassen uns auf die Mundpropaganda.“ Und Müller ergänzt: „Wir nehmen die, die sich an uns wenden, und kommen dabei gerade mal auf die Zahl, die wir brauchen.“

Allerdings haben er und Charlotte Kons dieses Mal auch Fragen wie „Können Sie nähen? Oder Bügeln? Haben Sie schon mal was in einem Garten gearbeitet?“ gestellt und eine Gruppe bekommen mit einer Mischung aus „handwerklich Begabten und künstlerisch Begabten“ wie Kons hörbar zufrieden sagt. Und wer noch nie eine Hecke gestutzt hat, durfte am Globe erst mal hinten bei den kleinen anfangen: „Wenn der Wellenschnitt raus war, ging es an die großen Exemplare“, erzählt Kons schmunzelnd.

Jedes Jahr denkt sich die Künstlerin eine Neuheit für die Ausgestaltung der Wetthalle und des Vorplatzes aus. In diesem Jahr hat ihr Künstlerkollege Vilnis Putrams, der auch Schreiner ist, ein neues Portal entworfen, das am Eingang zur Wetthalle aufgestellt wird. Aus drei Teilen besteht es, zeigt Ophelia, Hamlet und Shakespeare selbst. Vermutlich wird es bei den Besuchern ein ähnlich beliebtes Fotomotiv wie die beiden Throne, die im vergangenen Jahr neu dazu kamen. „Die wurden unglaublich gut angenommen“, sagt Charlotte Kons, „und waren ständig besetzt.“

Info www.shakespeare-festival.de

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