Shakespeare-Festival in Neuss Im Auge von Prosperos Sturm

Neuss · Mit „Der Sturm“ wurde nun im Neusser Globe eines der beliebtesten Shakespeare-Dramen gezeigt. Der Auftritt der Companie aus Potsdam sorgte für volle Reihen, viel Applaus und einen anhaltenden Ohrwurm.

Luftgeist Ariel (Laurenz Wiegand) ist frei: Seifenblasen symbolisieren das.

Luftgeist Ariel (Laurenz Wiegand) ist frei: Seifenblasen symbolisieren das.

Foto: Christoph Krey

Es war ein schönes Bild, das sich dem Publikum gegen Ende der Aufführung bot: Hunderte Seifenblasen stiegen im Inneren des Globe empor. Einige Sekunden lang schwebten sie im Raum, ließen das Scheinwerferlicht in sich spiegeln, um dann wieder zu verschwinden.

All das war Teil des Schauspiels „Der Sturm“, das das „Neue Globe Theater Potsdam“ nun beim Neusser Shakespeare-Festival zeigte. Die romantische Komödie aus dem Spätwerk des Schriftstellers gehört zu den beliebtesten Dramen, entsprechend gut besucht war auch die Aufführung, kaum ein Sitz im Theaternachbau an der Rennbahn blieb unbesetzt. Mit gezückten Fächern verfolgte das Publikum, wie der Zauberer Prospero, einst rechtmäßiger Herzog von Mailand, sein Schicksal in die Hand nimmt. Ausgesetzt auf einer einsamen Insel lebt er dort mit seiner Tochter Miranda, dem Luftgeist Ariel und dem teuflischen Caliban. Als in der Ferne ein Schiff mit seinen Widersachern auftaucht, beschwört Prospero einen Sturm herauf und die Geschehnisse rund um Rache und Versöhnung nehmen ihren Lauf.

Für seine Inszenierung hat sich das Globe Theater Potsdam für eine Bearbeitung von Joachim Lux in einer Fassung für das Wiener Burgtheater entschieden und den „Sturm“ in komprimierter Version gezeigt. Kurzweilige 90 Minuten dauerte das Stück, drei Schauspieler übernahmen die verschiedenen Rollen - der Austausch einzelner Kostümteil half dabei, die Übergänge nachzuvollziehen. So beeindruckte Andreas Erfurth etwa nicht nur als Zauberer Prospero, mit dem Ausziehen seiner Sonnenbrille und dem Mantel verwandelte er sich in Stephano, der mit kölschem Dialekt und Shanti-Musik die Lacher auf seine Seite zog. Aber auch die zunächst schüchternen Annäherungen zwischen Miranda (Martin Radecke) und Ferdinand (Laurenz Wiegand) sorgten im Publikum für Vergnügen, erst Recht als Tochter Miranda die geäußerten Bedenken ihres Vaters mit einem „Nichts Böses kann in solch einem Tempel wohnen“ bei Seite schob. Am Ende fügte sich alles nach Prosperos Vorstellungen, sogar der geplante Mord an ihm konnte – beinahe ein bisschen zu unvermittelt – vereitelt werden. Und als der Luftgeist Ariel seine Freiheit erhielt, stiegen die Seifenblasen auf – sie zeigten nicht nur, wie der Geist zurück in die Elemente geht, sondern unterstrichen auch den träumerischen Charakter des Stücks. Nicht umsonst stammt das legendäre Shakespeare-Zitat „Wir sind der Stoff, aus dem die Träume sind“ aus „Der Sturm“.

Nach viel Applaus zog es das Publikum auf das stimmungsvoll gestaltete Gelände, um dort den Frühsommerabend ausklingen zu lassen. Der ein oder andere hatte dabei die eingängige Melodie aus dem Stück auf den Lippen und pfiff oder summte sie nach. Prosperos Zauber hält an.

Zu sehen ist Der Sturm des neuen Globe Theaters Potsdam noch einmal am Mittwoch, 15. Mai, 19.30 Uhr, im Neusser Globe. Karten gibt es im Kulturamt.

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