Shakespeare-Festival in Neuss Zottelwesen machen in Clubatmosphäre „viel Lärm um Nichts“

Neuss · Die Bremer Shakespeare-Company ist beim Shakespeare-Festival mit „Viel Lärm um Nichts“ zu Gast. Für die Inszenierung ist die Festivalleiterin Maja Delinic verantwortlich. Besonders Bühnenbild und Kostüme überzeugten.

 Wie Wesen aus einer anderen Welt wirkten die Darstellenden in ihren Kostümen, die das Verwechslungsspiel perfekt machten.

Wie Wesen aus einer anderen Welt wirkten die Darstellenden in ihren Kostümen, die das Verwechslungsspiel perfekt machten.

Foto: Christoph Krey

Wenn man sich einer Sache sicher sein kann, dann dieser: Ein Geheimnis ist bei dem Edelmann Benedick nicht gut aufgehoben. Gerade hat er im Vertrauen erfahren, dass Claudio sich in Hero, Tochter des Gouverneurs von Messina, verliebt hat. Doch denkt der junge Edelmann, der mit der Liebe nichts am Hut hat, nicht daran, die Neuigkeit für sich zu behalten. Sogleich erzählt er es dem Prinzen von Aragon. Und auch das Publikum im Globe soll es erfahren. Unvermittelt taucht er neben den Zuschauern auf und flüstert gut hörbar und vergnügt wie ein Grundschüler: „Claudio liebt Hero, weitersagen.“ Damit nimmt das Drama rund um die Liebe, um Intrigen und um Verwirrungen seinen Lauf.

Zum Shakespeare-Festival hat die Bremer Shakespeare-Company den Klassiker „Viel Lärm um Nichts“ mitgebracht. Inszeniert wurde die Komödie von der Festivalintendantin Maja Delinic, die den italienischen Schauplatz in einen Discoraum verwandelte. Größtenteils bestimmten silberne Ballons das Bühnenbild – und beim großen Maskenball erschienen die geladenen Gäste nicht in Kleid und Frack, sondern als fremdartige Wesen in bunten, fransigen Anzügen. (Bühne und Kostüme: Heike Neugebauer und Rike Schimitsche) Die boten eine gute Grundlage für das nachfolgende Verwechslungsspiel: Der Prinz von Aragon gibt sich vor Hero als Claudio aus, um ihr in seinem Namen die Liebe zu gestehen. Überhaupt waren die Kostüme neben der Schauspielleistung einer der besonderen Höhepunkte der Inszenierung: Nicht nur, dass mit ihnen manche Absurdität noch unterstrichen wurde, sie ließen auch – immer passend zum gesprochenen Text – so manche Assoziation zu Hühnern oder Vögeln zu. Darüber hinaus konnten auch andere charmante Einfälle begeistern: So wurde etwa ein Staubwedel als Hund über die Bühne gejagt, immer wieder konnte auch die Mimik der Schauspieler die Menschen zum Lachen bringen, und als die Hochzeit nahte, ließ der Priester mit seinen Aussagen und Bewegungen an den typischen Monty-Python-Humor denken. Kommen sich Zuschauer und Schauspieler im Globe naturgemäß sehr nah, wurde es in diesem Stück noch einmal dadurch übertroffen, dass die Spieler immer wieder durch die Publikumsreihen streiften.

In der Inszenierung von „Viel Lärm um Nichts“ geht es neben Intrigen und Plänen auch um das Spiel mit den Geschlechtern. Spielten anfangs die Männer – wie es auch zu Shakespeares Zeiten üblich war – die Frauenrollen, und die Frauen die Männer, tauschten sie am Ende, als sich alle Verwicklungen zu lösen begannen, in das jeweils andere Geschlecht. Das Publikum war begeistert und dankte mit tosendem Applaus.