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Serie Berufe am Theater: Verena Hagedorn ist Disponentin am RLT Neuss

Berufe am Theater in Neuss : Die Schnittstelle zwischen den Abteilungen

Verena Hagedorn arbeitet als Disponentin und Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros am RLT. Sie erstellt Pläne für Spielzeiten, Abstecher und Proben.

Verena Hagedorn hat viele Pläne: Es gibt einen für das Jahr, für den Monat, für die Woche und für den Tag. Mit ihnen organisiert sie die Abläufe am Rheinischen Landestheater. Seit dem vergangenen Sommer arbeitet die 33-Jährige dort als Disponentin und Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros.

Bei ihr  laufen alle Fäden zusammen, sie ist die Schnittstelle von verschiedenen Abteilungen am Theater: Sie kümmert sich unter anderem um die Terminierung von Spielzeiten, Vorstellungen, Gastspielen und Sonderveranstaltungen im eigenen Haus und koordiniert die Aufführungen in anderen Städten – sogenannte Abstecher. Für die Veranstalter ist sie die erste Ansprechpartnerin. „All das gehört eher zu der langfristigen Planung“, erklärt die 33-Jährige: „Hinzu kommt das Tagesgeschäft.“ Für jeden Tag stellt sie Pläne auf, die täglich ausgehängt und per Mail verschickt werden. Darin wird festgehalten, was wann auf welcher Bühne geprobt wird. Dabei achtet die Disponentin darauf, dass etwa Ruhezeiten eingehalten werden, und es keine Überschneidungen in der Besetzung gibt. Denn für gewöhnlich seien es zwei bis drei Produktionen, die parallel liefen. Für die gesamte Planung steht sie im Austausch mit anderen Abteilungen des Theaters, die Regieassistenz fungiere dabei als ihr Ohr an der Produktion.

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In Zeiten der Corona-Pandemie ist mehr Organisation denn je gefordert: „Nach außen hin denken die Menschen, es sind keine Vorstellungen, da ist nicht viel zu tun“, sagt sie, „aber für manche Abteilungen bedeutet gerade das mehr Arbeit.“ Wechselnde Verordnungen erforderten ein stetiges Umdenken. „Die akute Spielzeit plane ich alle drei Wochen um“, erzählt sie. Aber nicht nur die Inzidenzwerte in Neuss, auch die Lage in anderen Städten, in denen Abstecher stattfinden sollen, hält sie im Blick. Sind bei Verschiebungen oder Wiederaufnahmen Gastspieler engagiert, muss außerdem darauf geachtet werden, ob sie zu den neuen Terminen ebenfalls Zeit haben.

Drei Spielzeiten sind es insgesamt, die die Disponentin zeitgleich im Kopf hat: Um da nicht den Überblick zu verlieren, ist eine gute Organisation gefragt. Doch ist es gerade das Vielseitige, das Verena Hagedorn an ihrem Beruf so sehr mag: „Ich komme mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch. Ich habe mit den Künstlern zu tun, aber auch mit Gastteams und Veranstaltern. Auf der anderen Seite setze ich mich aber auch mit Aufführungs- und Tarifverträgen auseinander.“ Zu ihren Aufgaben gehöre es auch, schnell und kreativ zu handeln. „Wenn ein akutes Problem da ist und man es löst, ist das immer auch ein Freuden-Moment“, sagt sie und fügt als Beispiel hinzu: „Wenn zum Beispiel ein Schauspieler kurzfristig krank wird  und man die Vorstellung trotzdem noch retten kann. Am Rheinischen Landetheater hatte ich den Fall allerdings noch nicht.“ 

Bevor Verena Hagedorn im Sommer die Nachfolge von Kai Wolters angetreten hat, war sie am Jungen Theater in Bonn, zuvor arbeite sie unter anderem im Betrieb einer Produktionsfirma und als Regieassistentin in Bielefeld. Eine klassische Ausbildung, um als Disponent an einem Theater zu arbeiten, gibt es nicht. „Es ist ein learning by doing“, sagt sie. Ein Quereinsteiger-Beruf sei es aber nicht: Dadurch, dass die Anforderungen so vielseitig sind, brauche es eine gewisse Kenntnis über die Abläufe am Theater. „Die meisten Disponenten kommen aus den eigenen Reihen“, sagt Hagedorn.