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Neuss: Sekundarschule: Stadt soll Eltern befragen

Neuss : Sekundarschule: Stadt soll Eltern befragen

Die Stadt hat im Schulausschuss die vierte Gesamtschule empfohlen. CDU/FDP sind dagegen. Sie favorisieren die Sekundarschule.

Eigentlich hatte der Stadtelternrat gestern vor der Sitzung des Schulausschusses gegen marode Toiletten und Verschleppung der PCB-Sanierung demonstrieren wollen. Zentrales Gesprächsthema war jedoch eine brisante Beschlussvorlage, die später von der Stadtverwaltung im Ausschuss vorgelegt wurde: Darin war der Vorschlag enthalten, die Ganztagsrealschule Norf zu schließen, um Raum zu schaffen für eine neue, vierte Gesamtschule.

Foto: Woitschützke, Andreas

So weit kam es gestern jedoch nicht, wenn auch SPD und Grüne so weit gegangen wären, um ihr Ziel einer vierten Gesamtschule im Neusser Süden zu verwirklichen. Stattdessen soll nun, auf Antrag der Mehrheitsfraktion CDU und der FDP, eine Sekundarschule geprüft und eine Elternbefragung — die vor Einführung dieser Schulform Pflicht ist — vorbereitet werden. "Wir haben intensiv beraten", sagte der schulpolitische Sprecher der Union, Andreas Hamacher. Seine Fraktion sei überzeugt, dass eine weitere Gesamtschule die bestehenden Gymnasien und Gesamtschulen gefährde. Eine kurzfristige Planung der Schullandschaft schon zum Schuljahr 2013/14 sei mit seiner Fraktion nicht machbar, sagte Hamacher, dem die SPD daraufhin vorwarf, eben jene Planungen verschleppt zu haben. "Ich habe mehrfach Elternbefragungen vorgeschlagen und bei Ihnen nur Kopfschütteln geerntet", rief die schulpolitische Sprecherin der SPD, Gisela Hohlmann, der Union zu. Sie und ihre Parteikollegen bewerten eine Befragung der Eltern nicht nur wegen des hohen Verwaltungsaufwands als überflüssig. "Der Elternwille ist bereits klar erkennbar", sagte Hohlmann. Denn bei den Anmeldungen für dieses Schuljahr hatte es bei den Gesamtschulen einen Überhang von 200 Schülern gegeben, die abgelehnt werden mussten. "Die Eltern entscheiden mit den Füßen", sagte Dieter Zander, schulpolitischer Sprecher der Grünen. Die Mehrheitsfraktion erweise den Eltern einen Bärendienst. "Denn die Erfahrung zeigt: alle Elternbefragungen führen zur Gesamtschule", so Zander mit Blick auf die Städte Kaarst und Grevenbroich, wo eine Sekundarschule favorisiert, die Eltern aber für die Gesamtschule votiert hatten. Der Hinweis der SPD, aus der Gesamtschule könne später, bei Bedarf, auch eine Sekundarschule gemacht werden, konterte die CDU: "Andersherum ist das genauso möglich", sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Anna Maria Holt. Den Hinweis der Verwaltung, dass für das kommende Schuljahr eine Lösung gebraucht werde, weil Neuss nur noch eine Hauptschule hat (die anderen laufen aus, siehe Info-Box), verhallte derweil ungehört. Auch die Frage, wo eine künftige Sekundarschule ihren Platz haben soll, blieb offen. Sicher war am Schluss nur eines: Die vierte Gesamtschule ist wieder in etwas weitere Ferne gerückt.

(NGZ/url)