Neuss: Seit 20 Jahren gemeinsam auf der Bühne

Neuss : Seit 20 Jahren gemeinsam auf der Bühne

Das jüngste Konzert in der Jazz-Reihe "Blue in Green" in der Alten Post war ein ganz besonderes: Es feierte die 20 Jahre andauernde musikalische Zusammenarbeit von Klarinettist Lajos Dudas und Gitarrist Philipp van Endert.

Wer hätte das gedacht? Wer hätte 1993 beim ersten Konzert in der Alten Post vermutet, dass sich aus dem einmaligen Zusammenspiel des erfahrenen Jazzklarinettisten Lajos Dudas mit dem damals erst 23-jährigen Gitarrenstudenten Philipp van Endert eine dauerhafte und sehr erfolgreiche Zusammenarbeit entwickeln würde? Und das, obwohl Dudas, der in der Fachwelt bereits internationales Ansehen genoss, seinem jungen Kollegen gleich zu Beginn signalisiert hatte, dass ihm feste Bandformationen meist bald langweilig würden und er lieber stets neue Herausforderungen suche.

Welches Potenzial in dieser Besetzung steckte, dafür sind die jüngsten Erfolge der schönste Beweis. So erhielt die aktuelle Jubiläums-CD "Live at Porgy & Bess", die im Februar erschien, nicht nur hervorragende Rezensionen in den vier deutschen Fachpublikationen, sondern fand auch Anerkennung in der internationalen Presse. Darüber hinaus wurde die Aufnahme – eine besondere Auszeichnung – für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert.

Wer die Geschichte des Duos über einen längeren Zeitraum verfolgt hat, konnte miterleben, wie die beiden Musiker sich miteinander weiterentwickelt haben, wie ihr Zusammenspiel immer dichter und dadurch freier geworden ist. Beim ersten gemeinsamen Konzert hatte Dudas den Gitarristen bei dessen Improvisationen noch manchmal am Klavier begleitet. Doch dann, so erinnert sich van Endert, habe Dudas gesagt: "Das ist mir zu anstrengend. Ich muss Luft holen nach dem Solo, mach' du mal." Diese Situation war völlig neu für den Gitarristen. "Plötzlich stehst du ganz allein da", sagt er, "und musst dein Solo um die Akkorde herumbauen." Inzwischen hat Philipp van Endert mit seiner Jazzgitarre Techniken entwickelt, die ihn zum Solisten und einer ganzen Rhythmusgruppe in einer Person werden lassen.

Mit immer neuen Grooves und rhythmischen Mustern bereitet er dem warmen Klarinettenton von Lajos Dudas den sicheren Rückhalt, um sich zu atemberaubenden Soli aufzuschwingen und sich völlig frei zwischen den Stilen zu bewegen. Das Spektrum reichte auch diesmal wieder von Bach bis Blues, wobei Dudas eine besondere Vorliebe für ungewöhnliche Kombinationen pflegt. Hatte er beim letzten Konzert Ellingtons "Caravan" in einen Tango verwandelt, so präsentierte er nun den eigenen "Tangangogo" und bewies dem Publikum, dass auch Operettenarien wie Franz Lehárs "Dein ist mein ganzes Herz" zum Jazz taugen, wenn man nur ein wenig an den Akkorden dreht. Da freut man sich auf die nächsten 20 Jahre.

(NGZ)
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