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Neuss: Seelenpflaster – gesungen und erzählt

Neuss : Seelenpflaster – gesungen und erzählt

Ulla Meineckes Auftritt im Rheinischen Landestheater zielte auf eines ab: das ganz große Gefühl. Lieder von der Liebe, vom Verlassenwerden und Zueinanderfinden berührten die Zuschauer. Ihre Songs aus den 80ern sind zeitlos schön.

"Übers Meer" – die letzte Zugabe im Rheinischen Landestheater ist eine ehrfürchtige und gleichzeitig liebevolle Hommage an den 1996 verstorbenen Künstlerkollegen Rio Reiser und die angeschlagene Gitarrensaite klingt noch lange nach in den Schlussapplaus.

Davor hat Ulla Meinecke schon ihren mit Abstand größten Erfolgshit, "Die Tänzerin" gesungen, das Lied begleitet die Liebenden und Leidenden seit mehr als 30 Jahren, ist ein wenig deutsche Musikgeschichte. Was hatte Frau es doch gut, in den 1980ern, Liebeskummer wurde – ganz einfach – mit einer Langspielplatte behandelt: "Wenn schon nicht für immer, dann wenigstens für ewig". Die verdammten Kerle bekamen ihr Fett weg und wenn so ein streunender Köter nach Tagen mal wieder bei der Ehefrau vor der Wohnungstür stand und devot um Entlausung bettelte, gab Ulla ihr "50 Tipps, ihn zu verlassen".

Und ein Resümee für so viele Beziehungen, ob verlogen, betrogen, gescheitert oder nur elend lang verschleppt, hat sie auch: "Was hätte das schön sein können, wenn Du nicht so ein Arsch wärst!" Ge-schichten über zwischenmenschliche Missverständnisse – Laien nennen es Liebe – über das ewige Scheitern und die verzweifelte Suche nach "dem bisschen Glück" sind für sie kein weites Feld, das ist schon eher ein Kontinent. "Liebe ist subversiv, wenn man sie lässt", ist nur eine Lehre, die sie an diesem Abend für das Publikum hat. Aber auch nur, um ein paar Minuten später die Anmerkung folgen zu lassen: "Jeder Tag ist ein Fest, wenn Du Dich lieben lässt". Was denn nun, Ulla?

Aber so einfach ist das auch nicht, mit der Liebe, Frau Meinecke hat glücklicherweise Verstärkung dabei. Begleitet vom gut gelaunten Gitarristen Ingo York und Reinmar Henschke, der musikalisch perfekten Ergänzung am Keyboard, war der Abend eine mehr als zweistündige Mischung aus Geschichten erzählen und Liedervortrag, auf einer Bühne, die – in rotes Licht getaucht – durch ihr Lichtspiel den Fokus ganz auf die Sängerin legte. Deren Weisheiten kommen manchmal etwas fahrig erzählt daher – immerhin ist Meineke mit dem Programm schon seit Anfang des Jahres unterwegs. "Liebe ich Dich zu leise?", "Wenn zwei zueinander passen", "Marlene an der Wand" oder "Schlendern ist Luxus", Ulla Meineckes Schatzkiste ist randvoll, ihre Hausapotheke ist über und über mit Seelenpflastern gefüllt.

Aber auch auf die momentane Neusser Großwetterlage reagiert sie mit einer augenzwinkernden Interpretation des Beatles Songs "Here comes the sun" und Stoppoks "Wie tief kann man sehen" kündigt sie an mit: "Hier ist eins von einem, da bin ich Fan von." Ihre Fans, auffallend viele Pärchen, die sich blendend verstehen, sind es am Ende mehr als zufrieden, die Reise in die Vergangenheit war zeitlos schön – wenn auch das Konzert im Rheinischen Landestheater leider nicht ausverkauft war.

(NGZ/EW)