Neuss: Sechs Millionen für erneuerbare Energie

Neuss: Sechs Millionen für erneuerbare Energie

Die Stadtwerke Neuss bauen die Stromerzeugung aus. Der Rat gab jetzt grünes Licht für die Beteiligung an zwei weiteren Projekten. Ein Engagement an weit voneinander entfernten Punkten soll das Risiko beim Thema "grüner Strom" streuen.

Die Stadtwerke bauen weiter an einem Drei-Säulen-Modell, das neben dem Kerngeschäft und dem Verkauf von Wärmedienstleistungen über ein Contracting-Modell der Stromerzeugung immer breiteren Raum gibt. "Echten Zugriff auf die Quellen bekommen", nennt SWN-Geschäftsführer Stephan Lommetz die Intention, für die die SWN im Rat Rückhalt haben. Der stimmte in nicht-öffentlicher Sitzung Investitionen in einer Größenordnung von fast sechs Millionen Euro zu. Davon erwerben die Stadtwerke eine Beteiligung am Windpark Jüchen und an einer Projektentwicklungsfirma, die unter dem Dach des Essener Steag-Konzerns gegründet werden soll. Gemeinsame Kennziffer beider Vorhaben: Ausbau der Erzeugung von Strom aus erneuerbarer Energie.

Mit Einstieg der RWE-Konzerns 2009 kam Geld ins Haus, das für Investitionen in diesem Geschäftsfeld verwendet werden soll. Auf Neusser Dächern entstanden so Solaranlagen, auf einem Bauernhof ein Biogas-Kraftwerk — und der Bau von zwei Windkraftanlagen in Hoisten ist in Vorbereitung. Mehr geht auf Neusser Stadtgebiet kaum, sagt Lommetz, zumal in Allerheiligen, wo erst in diesem Jahr eine Konzentrationsfläche für Windkraftnutzung ausgewiesen wurde, ein anderer Projektentwickler tätig ist. "Der hat sich dort schon Grundstücke gesichert", weiß Lommetz.

Auf der Suche nach anderen Konzepten, die neben "grünem Strom" auch sechs Prozent Rendite erwarten lassen, setzten die Stadtwerke zunächst auf "Green Gecko", ein Gemeinschaftsvorhaben von RWE und 29 Stadtwerken. Gemeinsam wurde in Windparks investiert; Anfang 2014 geht der Windpark "Düshorner Heide" bei Walsrode ans Netz, sagt Lommetz. Von weiteren Projekten weiß er nichts, RWE beschäftige sich derzeit mit anderen Themen. Eine zweite Plattform suchte und fanden die SWN bei der Thüga-Gruppe, die 450 Städten und 100 kommunalen Energieunternehmen gehört. Neun Millionen Euro haben die Stadtwerke dort schon investiert, "und wir werden das Engagement kontinuierlich ausbauen", sagt Lommetz.

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Mit der Firma "SynEErgie" unter dem Dach der Steag stellen sich die SWN nun noch breiter auf. Es ist ihre dritte Beteiligung im Bereich Stromerzeugung aus regenerativen Quellen und soll Zugriff auf Wind- und Biogasanlagen zum Beispiel in Frankreich und Polen eröffnen.

Das entspricht der Strategie der Stadtwerke, bei der Erzeugung von "grünem Strom" auf eine Risikostreuung zu achten. "Die Windkraftnutzung ist abhängig von regionalen Besonderheiten", sagt Lommetz, der als kaufmännischer Leiter der Stadtwerke aber an sicheren und kontinuierlichen Einnahmen größtes Interesse hat.

Grüner Strom ist aus Sicht der Stadtwerke ein Imagefaktor. Ein Ausbau der Energieerzeugung eröffnet den Stadtwerken aber in der Zukunft auch die Option, stärker über diese Energie verfügen und sie selbst vermarkten zu könne. Die Energiewirtschaft sei im Wandel, sagt er. Den wollen die Stadtwerke Neuss mitgestalten.

(NGZ)
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