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Neuss: Schwieriger Neustart im Rathaus

Neuss : Schwieriger Neustart im Rathaus

Angesichts der jüngsten Tarifabschlüsse für den öffentlichen Dienst schwinden die Chancen, dass der Einstellungsstopp aufgehoben wird. Karrieren bei der Stadt werden schwieriger, Amtsleiterposten bleiben vakant.

Die Stadtverwaltung schreibt wieder Stellen aus. Zuletzt wurde ein Architekt in Teilzeit für das Bauordnungsamt annonciert. Eine Ausnahme, denn noch hat das Wort vom Einstellungsstopp Bestand. Ausgesprochen wurde es vom Bürgermeister und verfügt zur Konsolidierung städtischer Finanzen. Das steht einem personellen Neuanfang auf breiter Basis entgegen.

Und die Chancen werden nicht besser. Nach dem Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst am Wochenende hat die Kämmerei einmal durchgerechnet, wie viel Geld mehr für Löhne und Gehälter aufgebracht werden müssen. Ergebnis: 1 086 000 Euro in diesem und noch einmal 980 000 Euro obendrauf im nächsten Jahr. Angesichts dieser Zahlen und vor dem Hintergrund, dass die Verwaltung schon im laufenden Haushaltsjahr den stattlichen Betrag von 2,1 Millionen Euro bringen muss, werde nun, so kündigt Pressesprecher Peter Fischer an, "über weitere Personalwirtschaftsmaßnahmen" zu sprechen sein. Solche Ankündigungen machen Reiner Dankelmann von der Gewerkschaft Komba und Wilfried Derendorf, den stellvertretenden Vorsitzenden der Kommunalgewerkschaft, gleich hellhörig. "Viele Investitionen und Ausgaben, die sich die Stadt Neuss auch heute noch leistet, werden auch durch Stellenabbau, Arbeitsverdichtung und unbezahlter Mehrarbeit mitfinanziert", erklärt Dankelmann. Dann müsse auch Geld für die Beschäftigten da sein, "ohne dass diese die Erhöhung durch Personaleinsparungen an anderer Stelle selbst finanzieren müssen."

Neuanfang im Rathaus: 800 junge Neusser versuchten das im Vorjahr, als sie sich um einen Ausbildungsplatz bei der Stadt bewarben. 17 wurden genommen. "Es waren schon mal mehr", gibt Fischer zu. Vor Jahren, als auch die Stadt über Bedarf ausbildete, weil überall im Land nach zusätzlichen Lehrstellen gerufen wurde. Ob es künftig aber überhaupt noch 17 Neueinsteiger sein werden? Schließlich legt der neue Tarifvertrag fest, dass Auszubildende bei vorausgesetztem Bedarf für zwölf Monate übernommen werden und dann einen unbefristeten Vertrag erhalten.

Nicht weniger als vier Ämter – für Sport, Schule, Tiefbau und Wirtschaftsförderung – werden derzeit kommissarisch geleitet. Auch dort behindert der Einstellungsstopp einem Neuanfang. Immerhin: Im Mai, nach einem Jahr Vakanz, wird der "Neue" für das Amt für Wirtschaftsförderung benannt. Und wie schon beim Jugendamt wird eine interne Lösung favorisiert.

Eine Dezernentenstelle wird im Rathaus gestrichen, eine wurde gerade erst neu besetzt. Mit einem "Externen". Solche Stellen schreibt die Stadtverwaltung immer aus.

(NGZ)