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Neuss: Schwanen-Babys verschwunden

Neuss : Schwanen-Babys verschwunden

Acht Küken hatte die Schwanenfamilie am Jröne Meerke, doch die Jungtiere sind verschwunden. Weder die Stadt noch der Rhein-Kreis wissen, was mit den Tieren geschehen ist. Sie vermuten eine verbotene Umsiedlungsaktion.

Seit Wochen beobachtet Susanne Schäfer bereits die Schwäne am Jröne Meerke. Acht Küken hatte das Schwanenpaar — und die sind spurlos verschwunden. "Seit dem Wochenende fehlt jede Spur von den kleinen Schwänen", berichtet Schäfer. Auch etliche andere Spaziergänger suchten die Tiere vergeblich. "Was ist dort passiert?", fragt die Neusserin ebenso wie viele weitere besorgte Leser, die sich bei der NGZ meldeten. Die Schwanenbabys sind verschwunden, und weder die Stadt noch die Kreisverwaltung wissen, was geschehen ist. Fest steht, das weiter ein Schwanenpaar am Jröne Meerke lebt. Doch laut Umweltamt handelt es sich ein neues Pärchen, das sich in dem frei gewordenen Revier der verschwundenen Schwanenfamilie offenbar schnell eingelebt hat.

Das aktuelle Bild zeigt die Schwäne am Jröne Meerke ohne ihre Küken. Foto: Woitschützke

Vonseiten der Stadtverwaltung hatte es zunächst geheißen, ein Tierschutzverein habe die Schwanenfamilie an einen See in Meerbusch oder Kaarst umgesiedelt. Doch mehr als ein Gerücht ist das nicht: "Weder das Umweltamt noch das Grünflächenamt wissen, was mit den Tieren geschehen ist", stellte Stadtsprecher Sascha Severin klar. Und auch Ulrich Schmitz von der Unteren Landschaftsbehörde zeigte sich ratlos: "In der Nist- und Brutzeit ist es überhaupt nicht zulässig, Tiere aus ihren Lebensräumen zu reißen", sagt der Vertreter des Rhein-Kreises.

Höckerschwäne zählen zu den besonders geschützten Arten. Bei der Aufzucht verteidigen sie ihre Küken und reagieren auf vermeintliche Angreifer — auch Spaziergänger — aggressiv. Eine entsprechende Meldung war auch bei der Stadt Neuss eingegangen wie Peter Hilgers vom Umweltamt bestätigt. "Aber um Tiere umzusiedeln, muss akute Gefahr für Menschen bestehen", erläutert er. Zudem dürfe eine solche Aktion nicht eigenmächtig durchgeführt werden. "Dafür sind Stadt und Kreis zuständig", sagt Hilgers.

Dass die Neusser Tierschutzverbände etwas mit dem Verschwinden der Schwanenfamilie zu tun haben, ist unwahrscheinlich. "Tiere aus ihrem Lebensraum zu reißen, halte ich für grundfalsch", sagt Ingeborg Arndt von der Naturschutzorganisation Bund. Auch Nabu-Kreisvorsitzender Wolf Meyer-Ricks weiß von keinerlei Umsiedlungsprojekten, genauso wenig die Tierschutzvereine von Neuss und Meerbusch, wie deren Sprecher bestätigen. Die Vermutung, die Tiere könnten am Kaarster See eine neue Heimat gefunden haben, bestätigte sich ebenfalls nicht. Daniel Caspers von den Kreiswerken Grevenbroich benachrichtigte gestern sogar extra seine Arbeiter am See, damit die nach der Schwanenfamilie Ausschau halten — doch vergeblich.

Susanne Schäfer indes vermutet Vandalismus am Jröne Meerke: "Ich befürchte, dass jemand den Tieren ernsthaft Schaden zugefügt hat", sagt sie.

(NGZ)