Neuss: Schulze machte mit Breuer Abi in Norf

Neuss: Schulze machte mit Breuer Abi in Norf

Mit Svenja Schulze (49) ist Neuss erneut in der Bundesregierung vertreten. Sie machte 1988 Abitur am Gymnasium Norf - gemeinsam mit Reiner Breuer. Der ist heute Bürgermeister und lädt die Ministerin zum Besuch ihrer Heimatstadt ein.

Fritz Behrens, früher selbst lange Jahre Minister in NRW, besitzt eine feine Nase für politische Talente. Das sozialdemokratische Urgestein, das mit seiner Familie im Rhein-Kreis wohnt, stellte einst die junge Svenja Schulze als "unsere kleine Schavan" vor. Behrens sollte Recht behalten - wie sich gestern zeigte. Wie die von ihm zum Vergleich genannte Annette Schavan (2005 bis 2013) wird auch Svenja Schulze im Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel sitzen. Gestern wurde sie von der SPD als Umweltministerin nominiert. Bemerkenswert: Damit wird Neuss auch im vierten Merkel-Kabinett vertreten sein. Zuvor war neben Schavan, die Anfang der 1970er Jahre ihre politische Laufbahn im Rat der Stadt Neuss begann, auch der in Neuss lebende Hermann Gröhe (2013 bis 2017) zu Ministerehren gekommen.

Zu den ersten, die Svenja Schulze zur Berufung gratulierten, zählte gestern Bürgermeister Reiner Breuer, der sie zugleich auch zu einem offiziellen Besuch ins Rathaus eingeladen hat. Mit guten Aussichten auf Erfolg. Zwar wurde die neue Ministerin vor 49 Jahren in Düsseldorf geboren, zwar wohnt sie heute in Münster, wo sie auch ihren Wahlkreis Münster-Süd hat, aber ihr Elternhaus steht an der Erprather Straße in Weckhoven. Sie besuchte zunächst das Nelly-Sachs-Gymnasium, wechselte später nach Norf, wo sie 1988 die Abiturprüfungen bestand - in einem Abi-Jahrgang mit Reiner Breuer. Neuss ist für die Politikerin Heimat. Das bestätigte sie vor einigen Jahren im Gespräch mit der NGZ-Redaktion: "Natürlich bin ich Neusserin. In der Stadt bin ich aufgewachsen."

In Neuss ist sie präsent. Ihr damaliger Schulleiter in Norf, Rolf Wörhoff, bezeichnete sie später einmal als "beachtliche Schülersprecherin", die "mutig und kämpferisch" gewesen sei. Auch der damalige Kreis-Verbindungslehrer Christian "Hannes" Rulfs bescheinigte Schulze - als sie von Hannelore Kraft zur nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerin berufen worden war - "politisches Talent, weil sie die Fähigkeit besitzt, Dinge zu sortieren und zu strukturieren".

Auch in der Rekrutierung von politischen Weggefährten war Svenja Schulze erfolgreich. Schulkamerad Reiner Breuer gehört zu denen, die sie für die Idee der Sozialdemokratie begeisterte. Heute ist er Bürgermeister ihrer Heimatstadt. Versuche von Klassenkameraden, Breuer für die CDU oder die FDP anzuwerben, scheiterten. "Anscheinend war ich überzeugender als andere", sagte Schulze einmal gegenüber der NGZ. Das Gymnasium Norf war seinerzeit offenbar eine politische Talentschmiede. Hinzurechnen darf man auch Carsten Greiwe, der ebenfalls 1988 dort Abitur machte. Der Christdemokrat war Ratsherr und arbeitete im Abgeordnetenbüro von Günter Krings MdB, ehe er seinem Leben als Spätberufener eine neue Richtung gab. Er lebt und wirkt heute als katholischer Priester Herr Quirinus im Orden der Augustiner-Chorherren in Herzogenburg, Österreich.

Noch 2017 war Svenja Schulze, von 2010 bis 2017 nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin und bisher SPD-Generalsekretärin, Ehrengast beim Neujahrsempfang der Neusser SPD. Der Kontakt zur Stadt ihrer Schul- und Jugendzeit ist ebenso wie der Kontakt zu ihren Neusser Parteifreunden nie abgebrochen. Ein Glückwunsch schickten folglich auch Parteichef Sascha Karbowiak und Fraktionsvorsitzender Arno Jansen: "Wir sind stolz und froh, dass Neuss mit Svenja Schulze auch zukünftig im Kabinett vertreten ist." Beide erhoffen sich fortan zudem "einen besseren Zugang zur Bundespolitik". Gerade in der aktuellen Diskussion um die drohenden Diesel-Fahrverbote erwartet das SPD-Duo Hilfe von der neuen Umweltministerin: "CDU und CSU haben in den vergangenen vier Jahren unter Verkehrsminister Alexander Dobrindt ausschließlich die Wünsche der Auto-Lobby durchgedrückt." Auch der SPD-Vorsitzende im Kreistag, Rainer Thiel, macht seine Erwartungshaltung öffentlich: "Ich wünsche ihr dabei alles Gute und freue mich auf die künftige Zusammenarbeit im Sinne des Rheinischen Reviers."

(-lue)